Ethik und Moral in Computerspielen // Tyranny

Screenshot aus Tyranny

Tyranny (Obsidian Entertainment, 2016)

Schon interessant nach was wir als Computerspieler streben: In einer Runde Civilization wollen wir mit allen möglichen Mitteln expandieren, erobern und auslöschen. In Action- oder Rollenspielen hingegen ist derjenige, der expanidert, erobert und auslöscht meist der Böse – wir bekämpfen ihn mit allen Mitteln, weil wir ja die Guten sind. So unterschiedlich sind unsere Ziele, je nachdem welches Spiel wir anwerfen. Tyranny geht einen anderen Weg und ist allein deswegen schon einen Blick wert.

In dem Rollenspiel ist der Spieler nämlich der Handlanger des (vermutlich) bösen und (vermutlich) gottgleichen Obertyrannen Kyrus. Der hat fast die ganze Welt erobert, es fehlt ihm noch ein kleiner Zipfel und der Spieler soll die Expansion mal ordentlich vorantreiben. Das ist schon ein fieser Einstieg, weil der Spieler gleich nach der Charaktererschaffung erstmal entscheiden muss, wie er diverse Städte niedermacht, Kontrahenten kaltstellt und mit Gefangenen umgeht.

Dabei stellt sich recht schnell heraus: Kyrus hat zwei große Armeen, die sich aber darüber in den Haaren liegen, wer jetzt das unterentwickelte Land in seine glorreiche Herrschaft führen darf: die Geschmähten und der Scharlachrote Orden. Die nehmen sich in Sachen Arschigkeit nicht viel, es ist aber ziemlich klar, dass man sich für eine Seite entscheiden muss. Also. Lieber die Elitetruppe unterstützen, die auch schonmal ein Dorf mit allen Einwohnern abfackelt, damit keiner den Rebellen helfen kann. Oder doch lieber den unkontrollierten Haufen, der alles und jeden in seine bluttriefenden Reihen aufnimmt und sich dann metzelnderweise selbst überlässt?

Das spannende an Tyranny ist also: Die Story und die Charaktere lenken das Spiel in eine Richtung, die für die Gewohntheiten von uns Spielern sehr ungewöhnlich sind. Der Spieler wird nämlich ziemlich sicher den bösen Obertyrannen unterstützen, aus einem einfachen Grund: Es ergibt Sinn, weil so die Geschichte stimmig ist und weil Tyranny das Spiel mit der Spielerrolle ernst nimmt. Das ist außergewöhnlich und eine spannende Erfahrung.

Ich habe Tyranny zweimal gespielt, einmal habe ich die Geschmähten unterstützt, einmal die Rebellen (denn das geht auch). Den Rebellen zu helfen, ergibt aus dem Spielfluss heraus erstmal sehr wenig Sinn. Man muss lauter Sachen machen, die vielleicht gut und ehrenwert gemeint, aber eben auch komplett bescheuert sind, wenn die eigentliche Aufgabe ist, die Rebellen wegzuhauen. Man muss sich also zwingen, seine eigenen Verbündeten zu verraten, zu töten und gegeneinander auszuspielen. Das Ganze muss man dann auch noch vor Freunden und Vorgesetzten irgendwie rechtfertigen, was sogar seltsamerweise gelingt. Viel flüssiger und natürlicher spielt sich hingegen die Erfahrung der Böse zu sein, sich auf die Seite einer der beiden Armeen zu stellen und das Land zu erobern.

Das steht im krassen Gegenzug zu dem, was wir als Spieler eigentlich gewohnt sind. Tyranny ist das erste Spiel (das ich kenne), bei dem sich böse Taten richtig (und meistens nicht abstoßend) angefühlt haben, weil sie eben zu meiner Rolle gepasst haben. Es ist richtig, den unterpriviligierten Tiermenschenstamm auszulöschen, weil er die Aktivitäten meiner Armee behindert. Es ist richtig, einen Teil des Landes komplett und nachhaltig zu zerstören, um der feindlichen Armee jeglichen Nachschub abzuschneiden. Es ist richtig, die fünf magischen Türme einzunehmen und Kyrus zur Verfügung zu stellen, damit endlich im ganzen Land Frieden herrscht.

Das kann moralisch durchaus herausfordernd sein, zumal das Spiel nicht damit geizt meine Handlungen in Frage zu stellen, egal wie ich mich entscheide. Das geschieht durch eine Art Moralsystem, das meine Reputation bei NPCs, Begleitern und Gruppierungen misst. Aber nicht jede Entscheidung hat unmittelbare Folgen und so wird mir manchmal erst Stunden später bewusst, was ich eigentlich getan habe. Schon bei meinem ersten Durchgang wollte ich die Rebellen unterstützen. Ich habe es nicht geschafft. Meine Handlungen, die mir sinnig und gut erschienen, machten eine Zusammenarbeit mit den Rebellen unmöglich.

Besonders spannend wird es deshalb, wenn man Tyranny ein zweites Mal durchspielt, sich ganz bewußt  anders entscheidet und die Reibungen die entstehen können aushält. Unterschiedliche Entscheidungen zeigen mitunter also eine ganz andere Spielerfahrung.

Vieles was Tyranny macht, um Moral und Ethik in das Spielerlebnis zu integrieren, gibt es auch in anderen Rollenspielen, etwa die spürbaren Konsequenzen, ein Moral bzw. Reputationssystem und eine Umgebung die Feedback gibt.  Was Tyranny unterscheidet und damit besonders macht ist der Fokus auf eine „böse“ Spieleerfahrung und das damit verbundene Spannungsverhältnis, zwischen Spieltraditionen, Erwartung, Geschichte und Rollenspiel. Genau in solchen Spannungen und Reibungen kann ethische Reflexion stattfinden und deshalb ist Tyranny ein ethisch interessantes Spiel.

In meiner Masterarbeit habe ich mich mit der Darstellung von Ethik und Moral in Computerspielen beschäftigt. Nicht jedes Computerspiel ist in der Lage, den Spieler zu einer ethischen Reflexion seines Handelns zu bringen. Einige schon. In dieser Reihe beschreibe und untersuche ich Spiele, die versuchen, Ethik und Moral ins Spiel integrieren.

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Ethik und Moral in Computerspielen // Fallout: New Vegas

Screenshot aus Fallout: New Vegas

Fallout: New Vegas (Obsidian Entertainment, 2010)

Einen Blogbeitrag zu Ethik und Moral in Fallout 3 (F3) habe ich bereits geschrieben. Warum also noch einen zu Fallout: New Vegas (F:NV)? Nun, F:NV ähnelt F3 in der Tat in vielen Punkten, z.B. Grafik, Interface, Charakerentwicklung usw. Aber es macht auch einiges anders. F:NV ist hier etwas radikaler, dort etwas nachlässiger. Aber ganz entscheidend: Die Weltsicht ist eine komplett andere.

In F3 geht es – extrem runtergebrochen – um die persönliche Entwicklung der Spielfigur. Über dieser Entwicklung steht der Vater des Protagonisten, der sich die Rettung des Ödlandes auf die Fahnen geschrieben hat. Der Spieler handelt also meist unter dem großen Thema: „Wer bin ich und wer will ich sein?“ Die meisten Entscheidungen ordnen sich dieser Frage unter. Das Spiel ist um die Spielfigur herum entwickelt, das Geschehen orientiert sich an ihr, es dreht sich alles um sie. Will der Spieler gut sein, wird er versuchen immer und überall gute und ehrenhafte Taten zu vollbringen. Das spannende ist eben dann, wenn diese guten Taten schlechte Konsequenzen haben. In diesem Spannungsfeld arbeitet F3. Entsprechend wichtig ist das Karma-System, dass viele Handlungen in Gut und Böse einteilt.

Das Karma-System gibt es auch in F:NV, aber es ist so gut wie egal. Wichtiger sind hier die Fraktionen und das große Ganze. Die große Frage lautet hier: „In welcher Gesellschaft und in welchem gesellschaftlichen System möchte ich leben?“ Es ist relativ schnell klar, worauf das Spiel hinauslaufen wird: Wer soll New Vegas beherrschen. F:NV fährt dabei zahlreiche Gruppierungen der verkorksten Fallout-Welt auf, die sich alle um den Hoover Dam streiten. Es ist die entscheidende Aufgabe des Spielers, sich eine dieser Gruppierungen auszusuchen und mitzumischen. Das sind auf der einen Seite Caesars Legion, eine Truppe, die Ordnung und Regeln verspricht, ihre Gesellschaft aber auf den Rücken von Sklaven aufbaut. Unterdrückung von Minderheiten ist klar eine der Hauptsäulen dieser Bande. Auf der anderen Seite steht die New California Republic, eine Vereinigung, die an das „alte“ Amerika erinnert und Werte, wie Freiheit und Zivilisation hochhält. Allerdings krankt sie an Bürokratie und einer zu großen Ausbreitung, um die Bewohner des Ödlandes wirklich zu schützen. Dann spielt noch Mr. House eine wichtige Rolle, er beherrscht New Vegas, gibt aber in seiner technokratischen Weltsicht einen feuchten Kerricht auf menschliches Leben. Außerdem kann der Spieler alles selbst in die Hand nehmen und etwas eigenes aufbauen.

Alle diese Fraktionen haben im Grunde ein ähnliches Ziel: Eine funktionierende Gesellschaft aufbauen, dabei treten sie aber unweigerlich ethische Werte mit Füßen. Wirklich gut ist hier niemand. Der Spieler wird sich für eine Seite entscheiden und damit bestimmte Werte verraten. Er kennt aber die Konsequenzen seiner Entscheidung nicht, sondern trifft diese aufgrund seiner eigenen Moral oder Logik.

Miguel Sicart arbeitet in seinem Buch Beyond Choices zwei Dingeheraus, die F:NV besonders machen.

  1. Nicht jede Entscheidung hat weitreichende Konsequenzen, nicht jede Konsequenz tritt aber sofort ein. Der Spieler hat einfach keine Ahnung, wie sich sein Handeln auswirkt – und wann es sich auswirkt. Solche uninformierten Entscheidungen kennen wir auch schon aus anderen Spielen, etwa The Banner Saga.
  2. Alle Handlungen sind in die Geschichte rund um New Vegas eingebettet. Die Spielwelt ist aber nicht um das Handeln des Spielers herum aufgebaut (also anders als in F3). Vielmehr ist der Spieler ein Teil davon, fast schon wie ein gewöhnlicher NPC. F:NV gibt einem nie das Gefühl, die wichtigste Person des Spiels zu sein. Oder wie Miguel Sicart schreibt:

„Unlike many other computer games, Fallout: New Vegas does not necessarily make players feel as though they are part of the wheel of history. It allows them to be just a tiny element in a larger narrative on which they have some influence, but they are never totally aware of the results of their interventions.“

Ich persönlich mag Fallout: New Vegas mehr als Fallout 3, weil es ein bisschen verrückter ist, weil es etwas radikaler ist und weil es mich als Spieler nicht ganz so ernst nimmt.

In meiner Masterarbeit habe ich mich mit der Darstellung von Ethik und Moral in Computerspielen beschäftigt. Nicht jedes Computerspiel ist in der Lage, den Spieler zu einer ethischen Reflexion seines Handelns zu bringen. Einige schon. In dieser Reihe beschreibe und untersuche ich Spiele, die versuchen, Ethik und Moral ins Spiel integrieren.

2017 // Spiele

Screenshot von gog-Galaxy.

Was sich so alles in einer Spiele-Bibliothek tummelt… Wird das jemals gespielt?

Was habe ich 2017 so alles gezockt? Hauptsächlich alten Kram erscheint mir. Aber natürlich lauter gute Sachen dabei. Teilweise gibt es auch Blogbeiträge dazu.

  • Skyrim: Nicht gedacht, dass ich das tatsächlich nochmal rauskrame, aber tatsächlich habe ich Skyrim mal wieder durchgespielt. Es hat nichts von seiner Faszination verloren.
  • Fallout: New Vegas: Auch diesen Brocken habe ich schon das zweite Mal durch. Ich finde es tatsächlich besser (weil durchgedrehter) als Fallout 3. Ein Blogbeitrag dazu folgt – hoffentlich.
  • Darkest Dungeon: Hat mich am Anfang total fasziniert, weil es so erbarmungslos ist. Aber irgendwann nervt das ewig gleiche Spielprinzip doch. Und wenn man eine nach Stunden hochgezüchtete Spielfigur in einem dämlichen Sumpf verliert, verliert man jegliche Lust weiterzumachen.
  • Her Story: Schönes Kleinod, spannede Geschichte und interessantes Gameplay.
  • BattleBlock Theater: Herrlichstes Jump&Run ever (!!!11elf). Also ich weiß echt nicht, wann ich mich das letzte Mal bei einem Spiel so weggeschmissen habe. Unbedingt im Koop spielen.
  • Mass Effect 2 & 3: Ja, uff, auch diesen Brocken habe ich mal wieder gezockt. Ich bin großer Fan der Trilogie. Es gibt einen vierten Teil? Mh, noch nie gehört.
  • The Banner Saga 2: So gut wie der erste Teil. Muss man nicht mehr sagen.
  • Steam World Heist: Auf dem Tablet gezockt. Nett für zwischendurch – Steamworld Dig macht aber mehr Spaß.
  • Baldurs Gate 2: Zum wievielten Mal habe ich das jetzt angefangen? Keine Ahnung. Werde ich es diesmal beenden? Keine Ahnung.
  • Never Alone: Total putziges Jump & Run. Und man lernt was über Inuits! Wirklich schön gemacht – eigentlich einen Kleinod-Beitrag wert, oder?
  • Portal: Auch endlich mal geschafft. Hat sich definitiv gelohnt.
  • Half Life 2: Ja äh, Half Life 2 ist so wie Nirvanas „Nevermind“. Muss man halt mal angehört/gespielt haben, gell? Ein zweites Mal brauch ich das jetzt aber nicht.
  • Tyranny: Angefangen, noch nicht fertig. Ein Blogbeitrag wird definitiv folgen.

2017 // Musik

Cover der Bands SHalosh, Enter Shikari, Manchester Orchestra, Quicksand, Brand New und Kellermensch.

Musik aus dem Jahr 2017. Die besten Alben? Wer weiß…

Ich gebe zu: Dieses Jahr ist musikmäßig irgendwie stark an mir vorbeigegangen. Für laut.de hab ich gerade mal eine handvoll Kritiken geschrieben und deswegen nicht so viel mitbekommen, wie das sonst der Fall ist. Dennoch: Ich habe mir sechs Platten rausgesucht, die ich in diesem Jahr sehr gerne gehört habe. Teilweise gibt es dazu auch Kritiken von mir. Here you go:

  1. Brand New // Science Fiction: Brand New gehören zu meinen Lieblingsbands und Science Fiction ist vermutlich das zweitbeste Album der Truppe (Nichts schlägt „The Devil And God Are Raging Inside Me“). Eine Platte für Musikentdecker. Vielseitiger und kreativer Postcore-Grunge-Rock.
  2. Manchester Orchestra // A Black Mile To The Surface: Meine Frau und ich haben Manchester Orchestra im November in Hamburg gesehen und es war vermutlich eines der besten Konzerte bisher. So eine Intensität findet man nicht oft. Das neue Album der Band ist super, poppiger als der Vorgänger, ruhiger auch, und voller großartiger Melodien.
  3. Shalosh // Rules Of Oppression: Die isrealische Jazzband habe ich mal in Bayreuth gesehen. Dieses Jahr waren sie wieder da – und ich habs verpasst. Aber meine liebe Frau war dort und hat mir das neue Album mitgebracht. Fantastische Scheibe, genauso locker flockig, verspielt und kreativ wie der Vorgänger.
  4. Enter Shikari // The Spark: Dass Enter Shikari auf dieser Liste stehen überrascht mich immer noch. Ich mag diese Band sehr, aber bisher waren andere Alben einfach besser. Ob es jetzt daran liegt, dass ich 2017 wenig neue Musik gehört habe oder nicht: „The Spark“ macht mächtig Spaß. Enter Shikari verzichten weitgehend auf ihren Trance-Core und schielen in Richtung Electro-Indie-Pop, was saumäßig gut klappt – und politisch sind sie halt immer noch. Gute Jungs.
  5. Quicksand // Interiors: Die Platte war eigentlich schon gesetzt, als ich sie noch gar nicht gehört hatte. Wenn Walter Scrheifels Musik macht, ist sie immer gut. Quicksands Album „Slip“ von 1993 hat den Postcore maßgeblich geprägt. Seitdem ist aber nicht mehr viel passiert. „Interiors“ ist also das Comeback-Album der alten Herren, etwas ruhiger und gesetzter als vor über 20 Jahren aber immer noch mit mächtig Druck in den Riffs. Man muss sich nur den Opener anhören und weiß: Die haben nix verlernt.
  6. Kellermensch // Goliath: Die kleinen Dänen sind nach einigen Jahren aus der Versenkung zurückgekehrt und legen sich mit ihren eigenen Goliaths an. Klappt gut, den Metal haben sie rausgeworfen und dafür die Tanzschuhe angezogen. Das steht ihnen ausgezeichnet, schön düster sind sie ja immer noch.

Presseschau // Wolfenstein 2

Screenshot aus Wolfenstein 2.Ein PC-Spiel sorgt für Schlagzeilen!  Nicht, weil es so gewalttätig ist. Nicht, weil die Entwickler fragwürdige Mikrotransaktionen eingebaut haben. Auch nicht, weil es Nazi Symbolik verwendet. Sondern vor allem, weil es eben genau das Gegenteil macht: Es blendet den Nationalsozialismus im Prinzip aus. Zumindest in der deutschen Version.

Ich finde es großartig, dass darüber diskutiert und geschrieben wird – nicht nur in unserer Gamer-Blase. Das mag jetzt etwas hochgegriffen sein, aber es sind solche Diskussionen und Beiträge, die das Medium Computerspiel immer mehr aus der Nerdecke herausheben. Und wer weiß, vielleicht sind wir irgendwann wirklich soweit, Computerspiele als Kunstform anzusehen.

Jedenfalls folgt hier eine kleine Presseschau zu einigen Artikeln, die ich zum Thema Wolfenstein gefunden habe. Das sind absichtlich keine Tests dabei. Wer ähnliche interessante Beiträge findet, darf sie mir gerne per Mail schicken, ich füge sie dann noch nachträglich ein.

  1. Mit brutaler Feuerkraft gegen trägen Opportunismus“ (sueddeutsche.de)
    „Darf ein Shooter politisch sein?“ fragt die Süddeutsche Zeitung und vergleicht die Rezeption des Spiels in Amerika und Deutschland. Außerdem geht der Artikel auf den seltsamen Umstand ein, dass die Gegner in Wolfenstein 2 entmenschlicht werden – genau das was die Nazis im Dritten Reich mit ihren Feinen getan haben.
  2. Heil Heiler!“ (taz.de)
    Die taz beschreibt, wie das Spiel sowohl eindeutige Nazi-Symbole, als auch jegliche Hinweise auf den Holocaust aus der deutschen Version gestrichen hat. Der Hintergrund dürfte wohl die „Angst“ vor der Bundesprüfstelle gewesen sein. „Hitler hätte natürlich drinbleiben können“, sagt die im Text. Die taz kritisert den fehlenden Mut des Publishers und lässt auch jüdische Spieleentwickler zu Wort kommen.
  3. Warum Spielehersteller auf Nazi-Symbole verzichten“ (spiegel.de)
    Der Spiegel erklärt die Hintergründe für die fehlenden Nazi-Symbole und die Hinweise auf den deutschen Nationalsozialismus, nämlich Paragraf 86 StGB. Hier kommt ein Medienanwalt zu Wort, der seine Einschätzung abgibt, ob das Spiel in Deutschland mit Hakenkreuzen verboten worden wäre. Es gibt anscheinend keinen bedeutenden Präzedenzfall. „[G]enau das sollte nicht Grund für eine im Fall von „Wolfenstein II“ befremdlich wirkende Selbstzensur sein, sondern Anlass zum Handeln“, findet der Spiegel.
  4. Nazis trinken Erdbeermilch“ (zeit.de)
    Der Text in der Zeit erinnert noch am ehesten an einen Test. Aber auch hier geht es um die Hakenkreuz-Problematik, den deutschen Kunstbegriff und ob Spiele politisch sein können/dürfen/müssen. Hier kommt unter anderem der Deutsche Kulturrat und der Branchenverband BIU zu Wort.
  5. NS-Zeit wird verschwiegen – das schadet dem Spiel und der Gesellschaft“ (spieletipps.de)
    Die Spieletipps sprechen mit der USK. Die stellt einige Vermutungen an. Es ist ja tatsächlich seltsam, dass nicht nur Hakenkreuze entfernt wurden, sondern im Prinzip jeder eindeutige Hinweise auf die NS-Zeit. Angefangen bei Hilters Bärtchen bis hin zur Shoa. Die USK vermutet etwa, es kann auch mit der Spieleplattform Steam zusammenhängen. Hätten die sich entschieden, das Spiel nicht zu listen, wäre das ein wirtschaftlicher Totalschaden. Die Spieletipps lassen außerdem auch jüdische Spiele-Designer zu Wort kommen und schließen mit einem Statement der Wolfenstein-Entwickler, das einen etwas ratlos zurücklässt.
  6. Wie das Spiel Wolfenstein 2 die deutsche Geschichte entsorgt“ (br.de)
    Beim Bayerischen Rundfunk wurde zum Thema ein Kommentar veröffentlicht: „Ausgerechnet in der deutschen Version entsorgt Wolfenstein 2 die Verbrechen der Nationalsozialisten aufs Akkurateste und marginalisiert alles Jüdische.“ Damit sei das Spiel ein „Fest für Revisionisten“. Der Kommentar greift das oben genannte Statement auf und findet es ziemlich seltsam. „[E]in antifaschistisches Spiel, das hierzulande aber nicht richtig antifaschistisch sein darf.“

Thema des Monats // Leben und Wohnen

Screenshot von studienwahl.deStudieren – wir wissen es alle – kostet Geld. Dabei das Studieren an sich ist noch der geringste Faktor, den Studierende beachten müssen. Das meiste geht laut 21. Sozialerhebung des Deutschen Studenwerks für die Miete drauf. Dann kommen noch Ernährung, Mobilität, Kommunikation und all solche Sachen. Eine Menge Holz, isngesamt über 800 Euro, die Studierende im Monat verpulvern. Klar, überall kann man sparen: Wer in eine WG oder ein Studentenwohnheim zieht lebt am günstigsten, Mensaessen ist auch hilfreich und so weiter. Viele hilfreiche Tipps dazu und jede Menge Hintergrundinfos, zum Beispiel zum barrierefreien Wohnen, gibt es im aktuellen Thema des Monats bei studienwahl.de. Die Texte sind wie immer von mir geplant, gebrieft, redigiert und online gestellt. Hier gehts zum Text.

Kellermensch // Goliath

CD-Cover von GoliathDas Debüt von Kellermensch habe ich damals besprochen, als ich Praktikant bei laut.de war. Das musste recht schnell gehen, weil wir die Platte noch am selben Tag als Album der Woche präsentieren wollten. So wirklich zufrieden war und bin ich deshalb nicht mit meiner damaligen Kritik. Aber egal, das ist jetzt auch schon sechs Jahre her. Nun ist das zweite Album der Dänen erschienen und es ist wieder Platte der Woche geworden – wieder absolut verdient. Kellermensch haben sich hervorragend weiterentwickelt und ihren Stil genau an den richtigen Stellen verfeinert. Die Mischung aus tonnenschwerem Doom-Metal und leichtem Indie-Rock, die das erste Album so faszinierend gemacht hat, wurde nun zu Gunsten des Indie-Rocks entschlackt. Eine gute Entscheidung, das Gegrowle und die simplen Metal-Riffs haben nicht lange unterhalten. „Goliath“ ist ein leichtes, verspieltes aber immer noch sehr düsteres Album geworden.

Meine ausführliche Kritik gibt es hier bei laut.de und darunter wie immer ein Video zum reinhören. Diesmal eine Art Live-Ding. Das fängt mit dem relativ lahmen „Bad Sign“ an, „Mediocre Man“ ist dafür aber ziemlich geil.

Thema des Monats // Fremdsprachen

Screenshot vom Thema des Monats auf studienwahl.de.Achtung Binsenweisheit! Fremdsprachen sind wichtig, vor allem in Zeiten der Globalisie… schnarch. Jaja, schon klar, es weiß eigentlich jeder: English ist very important, and if you speak french or weiß the Kuckuck what, you have a Stein im Brett aller Personalchefs. Es gibt aber halt auch Jobs, wo Fremdsprachen nicht nur sehr wichtig, sondern essentiell sind. Also wenn man zum Beispiel Dolmetscherin wird, ist es mehr als hilfreich, die Sprache auch zu verstehen und zu sprechen. Oder nehmen wir an, man hat Kontakt mit Geschäftspartnern in Japan. Klar können die Englisch, aber die freuen sich bestimmt tierisch, wenn man in ihrer Landessprache kommunizieren kann. Und noch mehr, wenn man deren kulturelle Eigenheiten versteht. Um solche Themen und die passenden Studiengänge und Ausbildungswege geht es im aktuellen Thema des Monats bei studienwahl.de: Was kann ich studieren bzw. welche Ausbildung kann ich belegen, wenn ich viel mit Fremdsprachen zu tun haben möchte. Die Texte sind wie immer von mir geplant, gebrieft, redigiert und online gestellt. Hier gehts zum Text.

Brand New // Science Fiction

Cover "Science Fiction" von Brand NewUnd zack! Gleich die nächste Kritik. Diese Platte hat mich besonders gefreut, weil Brand New seit dem Überalbum „The Devil and God are raging inside me“ eine meiner absoluten Lieblingsbands sind. Die neue Platte kam für mich ziemlich überraschend, ich hatte nicht erwartet, dass die Truppe noch was rausbringt. Umso schöner, dass „Science Fiction“ ein wirklich herausragendes Album geworden ist. Brand New fassen ihr bisheriges Schaffen einmal zusammen und lassen alle ihre Einflüsse zu Wort kommen. Das ergibt eine absolut stimmige Mischung aus Pearl Jam, Modest Mouse und Queens of the Stone Age, aus Bluesrock, Grunge, Postcore, College-Rock und Folk. Sehr reduzierte Instrumentierung, dafür aber gewaltige Ausbrüche, Elektrozeug, fusselige Bässe, Geschrei, wunderschöne Melodien und Akustik-Gitarren-Soli. Alles auf einer Platte. Ich glaube auch eine Mandoline gehört zu haben. Jedenfalls: Ein großartiges Album. Ich hab mal die fünf Punkte springen lassen. Hier gehts zur Kritik bei laut.de und hier der Monstersong „Same Logic/Teeth“.

Gogol Bordello // Seekers & Finders

Plattencover von Gogol Bordellos "Seekers & Finders"Endlich mal wieder eine Plattenkritik geschrieben. Gogol Bordello habe ich während meines FSJ rauf und runter gehört. Ich stand ziemlich auf alle punkigen Folk-Sachen. Dementsprachend super fand ich den dreckigen Balkan-Punk der wilden Truppe um Eugene Hütz. Mit der Zeit wurden mir die aber echt zu anstrengend. Die Nachfolgerplatten habe ich dann schon gar nicht mehr gehört. Jetzt ist ein neues Album erschienen und ich hatte wieder richtig Bock auf die Mukke. Gogol Bordello sind bei „Seekers & Finders“ lange nicht mehr so anstrengend, vor allem, weil sie nicht mehr so plakativ verrückt sein wollen. Stellenweise ist das Album jetzt sogar richtig entspannt – leider auch arg routiniert, weswegen manche Songs nur so dahinplätschern. Macht trotzdem Spaß und einige Highlights sind definitiv dabei. „Walking on burning coal“ zum Beispiel ist ganz kool. Hier gehts zur Plattenkritik auf laut.de.