Ethik und Moral in Computerspielen // Orwell

Screenshot aus Orwell.
Orwell (Osmotic, 2016)

„Ich habe nichts zu verbergen! Sollen die doch meine E-Mail lesen, ist mir Wurst!“ Wer so über Überwachung durch Polizei, NSA oder Verfassungsschutz denkt, sollte sich dringend mal das Spiel „Orwell“ ansehen. Denn dort wird ziemlich eindrücklich gezeigt, was eine konzentrierte Überwachung für einzelne Menschen bedeuten kann.

In „Orwell“ bin ich kein Betroffener, nein ich bin ich selber Teil einer Überwachungsmaschine. Ich lese die E-Mails fremder Leute, verfolge Chats, durchforste PCs und höre ihre Telefonate ab. Ein spannendes Setting, dass mich per Spielidee schon in eine moralisch zweifelhafte Lage bringt.

Aber von vorne: Die „Nation“ ist ein westlicher Staat. Den Menschen dort scheint es einigermaßen gut zu gehen, es ist aber recht eindeutig, dass sie autoritär regiert werden. Die regierende Partei heißt einfach „The Party“, eine richtige Opposition scheint es nicht zu geben, die meisten Menschen scheinen zufrieden zu sein. Die Partei ist allerdings mittendrin einen Überwachungsstaat aufzubauen. Die sogenannte „Safety Bill“, erlaubt es der Regierung, schon bei einem leisen Verdacht umfangreiche Überwachungen einzelner Personen durchzuführen.

Herz dieser Überwachung ist das „Orwell“-Programm. Hier sitzt ein Ermittler oder eine Ermittlerin (das bin ich) am PC und durchforstet das Internet, die private Kommunikation, Bankauszüge und Rechner von „verdächtigen“ Personen. Die sehr privaten und intimen Infos, die ich zusammensammle, gebe ich an den leitenden Beamten weiter. Nur das, was ich weitergebe, kann dieser für die weiteren Ermittlungen und Aktionen verwenden. So kann ich also auch Infos zurückhalten!

„Orwell“ ist im Grunde ein Detektiv-Spiel. Ich sammle Indizien, versuche daraus Schlüsse zu ziehen, um den Täter zu finden. Den Täter? Ja, es gibt ein Verbrechen zu Beginn des Spiels: mehrere Bomben exlodieren und eine Oppositionsgruppe namens „The Thought“ tritt auf den Plan. Deren Mitglieder werden im Laufe des Spiels nach und nach meine Zielpersonen.

In „Orwell“ lege ich also Dossiers über diese Zielpersonen an. Ich sammle Fotos, Hobbies, Lebensläufe, Bankkonten, User-IDs, verdächtige und unverdächtige Aussagen und so weiter. Das System verleitet einen dazu, einfach jeden Infoschnipsel in das Dossier einzutragen, aber nicht jede Info ist relevant, manche sind sogar widersprüchlich – oder irreführend. Dort, wo „Orwell“ mir diese Widersprüche zeigt, wird es richtig spannend. Denn es liegt an mir, die Wahrheit herauszufinden oder sogar absichtlich zu vertuschen.

Mir persönlich ist ein Überwachungsstaat mehr als suspekt, meine Sympathien liegen also in diesem Spiel deutlich bei der Opposition. Doch will ich wirklich eine Truppe decken, die ziemlich offensichtlich Bombenanschläge verübt? Es sind genau diese grauen Schattierungen, die das Handeln in „Orwell“ schwierig machen – und ethisch interessant.

Das Spiel ist relativ kurz. Nach vier bis fünf Stunden erlebt man eines der vier Enden. Trotz dieser Kürze konfrontiert mich „Orwell“ mit einem sehr glaubhaften Szenario, setzt mich in eine unbequeme Position und lässt mich immer wieder über Schicksale entscheiden – je nachdem welche Infos ich weitergebe. Ich habe mich oft dabei ertappt, wie ich einfach alle Infos weitergegeben habe, ohne mir im klaren darüber zu sein, was das nun für die einzelnen Personen bedeutet.

Mit der Zeit wurde ich echt vorsichtiger und argwöhnischer. Denn es war an einigen Stellen schon ein kleiner Schock, wenn ich brutal mit den Konsequenzen meiner Handlung konfrontiert wurde. Ich kann an mir beobachten, wie die moralischen Konflikte, in die das Spiel mich treibt, an mir nagen, wie das ohnehin schon unbequeme Setting immer unbequemer wird, bis ich es kaum aushalte, Teil dieser Überwachungsmaschinerie zu sein. Auf der anderen Seite ist „The Thought“ ebenso keine unterstützenswerte Organisation. Das treibt mich in eine moralische Zwickmühle. Immer wieder muss ich innehalten und mir Gedanken machen, was eine Info für Auswirkungen haben könnte, ob ich mit diesen Auswirkungen weitermachen möchte.

Nach dem Abschluss ist man erstmal etwas platt. Die vielen Wendungen und neuen Entwicklungen gerade in den letzten 30 Minuten, lassen einen fast schon atemlos zurück. Wer jetzt immer noch sagt „Na, mir doch egal, wenn man meine WhatsApp-Nachrichten liest“, ist irgendwie schief gewickelt.

PC Games: Redakteur hält alte Entwicklermeinung zum eigenen Spiel für eine richtige Nachricht

Screenshot von pcgames.de
Screenshot von pcgames.de. Schlechte Überschrift. Schlechte News.

Das Jahr ist noch nicht vorbei, aber ich denke, wir haben einen heißen Anwärter auf die schlechteste Headline und die schlechteste News des Jahres 2019 – zumindest was Spielewebseiten betrifft. Die PC Games teilt uns hier am 22. September 2019 mit, dass das Entwicklerstudio CD Project Red es für die richtige Entscheidung hält, dass sie in ihrem Spiel Cyberpunk 2077 die Ego-Sicht nutzen werden. Aha.

Also. Nehmen wir mal an, ein Entwicklungsstudio macht ein Spiel. Der Spieler soll dieses Spiel in Ego-Perspektive durchspielen. Es gibt erste Screenshots und Szene zu sehen. Die Entwickler und Entwicklerinnen merken dann aber: Hups, so klappt das nicht, wir müssen zur Third-Person-Perspektive wechseln,… dann handelt es sich vielleicht um eine News.

Es ist aber keine News, wenn das Entwicklungsstudio von seinen eigenen Ideen überzeugt ist. Wem das jetzt bekannt vorkommt: Ja, darüber habe ich schonmal im Bezug auf Mass Effect: Andromeda geschrieben.

Ok, nehmen wir jetzt mal an, das Entwicklungsstudio verteidigt bei einer Präsentation die Ego-Sicht gegen Kritikerinnen und Kritiker, erklärt, warum die Ego-Sicht mehr Sinn macht, zeigt neue Szenen, die das beweisen. Sowas in der Art. Meinetwegen kann man dann eine News dazu bringen, auch wenn die Headline dann immer noch schlecht wäre.

Aber auch das ist hier nicht der Fall. Die News zitiert keinen Entwickler, keine Entwicklerin. Der Autor gibt eigentlich auch gar nicht an, wieso er der Meinung ist, das Studio hätte sich jetzt neu und aktuell dazu geäußert. Immerhin wird unter dem Text eine Quelle genannt: gamesrant.com, der entsprechende Artikel ist verlinkt.

Wir klicken drauf und merken: Hier haben wir einen klassischen Kommentar. Der Autor von gamesrant.com schreibt aus seiner Sicht über Cyberpunk 2077 und die Ego-Sicht, er erklärt vor allem, warum die Ego-Sicht seiner Meinung nach eine gute Idee ist und warum die Kritiker und Kritikerinnen einfach mal abwarten sollen. Er beschreibt seine Meinung, auf Basis alter Erklärungen des Studios.

Was ist also in einem Satz tatsächlich passiert? Ein Spieleredakteur schreibt einen Meinungsartikel über Cyberpunk 2077. Was macht die PC Games daraus? Sie tut so, als hätte sich das Studio aktuell dazu geäußert und die Ego-Sicht neu verteidigt.

Übrigens schreibt der Kommentator auf gamesrant.com in seinem ersten Absatz: „That means it bears discussing why the developer made the correct choice and why angry internet commenters should let it go.“ Also, PC Games, let it go.

Das Schlimmste an der Top100 RGP-Liste der GameStar

Listen sind schön. Ich mag Listen. ToDo-Listen zum Beispiel. Wunschlisten sind auch toll. Ich mag es Dinge aus Listen zu streichen. Das gibt mir ein gutes Gefühl. Die GameStar-Listen hingegen geben mir kein gutes Gefühl, ich muss sagen, ich finde sie sogar ziemlich dämlich. Nach den „250 besten PC-Spielen aller Zeiten“ folgten die letzten Tage die „100 besten Rollenspiele aller Zeiten„. An beiden Listen ist so vieles Quatsch, dass man gar nicht weiß, wo man anfangen soll… Aber gut. Hier folgen also die fünf größten Quatschigkeiten an den Top-Listen der GameStar:

  1. Das System ist nicht transparent
  2. Die Listen passen nicht zusammen
  3. Die Listen passen nicht zu den Bewertungen
  4. Subjektive Erinnerungen eigenen sich nicht für Listen
  5. Dungeon Siege wurde gewählt

Das System ist nicht transparent

Wie wurden die Listen generiert? Zumindest bei der Top 250-Liste gibt es eine Beschreibung dazu: Die Spiele wurden von den GameStar-Redakteurinnen und Redakteuren aus einem Vorauswahl-Pool von 500 Games gewählt. Ok, aber was waren denn deren Kriterien? Wer hat die Vorauswahl getroffen und was waren da die Kriterien? Wurde das gleiche System auch bei den Rollenspielen angewandt? Nun, wir wissen es nicht. Vermutlich gibt es keine einheitlichen Kriterien und jede/-r Redakteur/-in hatte eigene. Das macht die Liste halt komplett undurchsichtig und unaussagekräftig. Da hilft es auch nicht, wenn man zigmal betont, wie subjektiv hier doch alles ist.

Die beiden Listen passen nicht zusammen

Lasst uns doch mal die beiden Listen vergleichen. Auch wenn beide natürlich total subjektive Schlaglichter zu einer ganz bestimmten Zeit sind, müssten sie doch wenigstens einigermaßen zu ähnlichen Ergebnissen kommen! Äh naja, seht selbst:

Baldur’s Gate 2 ist löblicherweise unter den Top10 der 100 besten Rollenspielen. Man ist dann aber doch etwas verwundert, zwei Plätze darüber Baldur’s Gate 1 zu entdecken. Really? Na gut, wenn ihr meint. Aber wie sieht es denn bei den 250 besten Spielen aus?

Baldur’s Gate 2 -> Platz 42
Baldur’s Gate 1 -> Platz 132

Zwischen den beiden Spielen befinden sich dann Games wie Oblivion, Fallout 3, Divinity: Original Sin 2 und so weiter. Spiele, die in der Rollenspielliste auch vorkommen, nur eben schlechter platziert als BG1 und 2.

Das Ganze geht grad so weiter. Schauen wir uns mal die Top3 der RPG-Liste an:

  1. Witcher 3
  2. Knights of the old Republic
  3. Skyrim

Die drei bestbewerteten RPGs in der Top250-Liste:

  1. World of Warcraft
  2. The Wichter 3
  3. Diablo 2

Eine Überschneidung. Das ist nicht besonders überzeugend. Wenn die Listen nicht wirklich übereinstimmen, wie viel Aussagekraft haben sie dann eigentlich? Naja: Nicht viel.

Die Listen passen nicht zu den Bewertungen

Oder formulieren wir es mal anders: Die Listen beweisen, dass man sich in Zukunft die Bewertungen anhand von Zahlen (bei der GameStart 1 bis 100) komplett sparen kann. Denn sie sagen nichts aus. Man könnte meinen, die Top10 wären ausnahmslos Ü90er-Wertungen. Aber nö. Das erste Mass Effect landet bei den Rollenspielen auf Platz 7, kassierte im Test „nur“ 85 Punkte.

Dafür finden sich dann auf höheren Plätzen Titel mit mehr als 90 Punkten. Also wenn die Punktevergabe für eine objektive Vergleichbarkeit sorgen soll, dann müssten sie sich doch auch irgendwie in einer Bestenliste widerspiegeln, oder? Titel, die eine sehr hohe Wertung bekommen haben, tauchen dann aber gar nicht auf. Ultima 9 zum Beispiel, war gefühlt jahrelang an erster Stelle der Genre-Rangliste. In den Top100 taucht es nicht auf. Ich kenne das Spiel nicht, keine Ahnung, ob es die gute Wertung verdient hat, mir ist sein Fehlen aber aufgefallen.

Richtig albern wird es aber bei Dragon Age. Den dritten Teil, Inquisition, sucht man unter den 100 besten Rollenspielen vergeblich. Nicht, dass ich anderer Meinung wäre. Allerdings wurde Dragon Age 2 bei Release von Inquisition extra von der GameStar abgewertet, damit es keine bessere Punktzahl als Inquisition hätte. Nun, Dragon Age 2 ist aber jetzt unter den 100 besten Rollenspielen dabei – Inquisition nicht. Kann mir das jemand erklären?

Subjektive Erinnerungen eigenen sich nur bedingt für Listen

Man merkt den Texten der Redakteurinnen und Redakteure an, dass bestimmte Spiele eben ein gutes Gefühl auslösen, mit guten Erinnerungen verbunden sind. Absolut legitim! Aber ob so ein gutes Gefühl tatsächlich besonders aussagekräftig ist in der Bewertung der besten Spiele aller Zeiten? Wenn ja, dann sind wir wieder beim zweiten Punkt: Dann können wir uns jegliche Bewertungen eigentlich sparen, denn sie sagt anscheinend nichts über die Qualität des Spiels aus.

Irgendjemand hat Dungeon Siege reingewählt

Die Bankrott-Erklärung für diese Liste ist allerdings die Platzierung von Dungeon Siege. Auf Platz 78! Das ist mit Abstand das langweiligste Spiel der Welt! Die GameStar platziert es aber besser als Dragon Age 2, Torment, Shadowrun und Deus Ex: Mankind Divided! Was ist los mit euch GameStar? Nach allem was ich gelesen habe, wird Dungeon Siege mit der Zeit kaum besser. Ich hab nach zwei Stunden gelangweilt aufgegeben. Und jetzt finde ich dieses überbewertete Spiel unter den besten 80 Rollenspielen aller Zeiten… Und warum? Wegen dem Esel? Come on.

So what…

Ach… was reg ich mich auf. „Was hast du denn? Es ist doch nur eine subjektive Liste! Wir wollen, dass euch das aufregt.“ Ja. Toll. Das habt ihr geschafft, liebe GameStar. Und wir wissen eh schon was uns in den nächsten Monaten auf gamestar.de erwartet… Die besten Strategiespiele, die besten Actionspiele, die besten Witcher-Spiele, die besten Skyrim-Mods ohne die das Spiel keinen mehr interessieren würde, die besten Fortnite-Skins, die besten Bestenlisten und so weiter. Mist echt. Und ich werde mich durch jede einzelne klicken und mich unglaublich aufregen.

Neue KI-Seite der FAU

Vor ein paar Wochen habe ich ja versprochen, mal was aus meinem neuen Job zu zeigen. Ich präsentiere hier also die neue KI-Seite der FAU, also der Uni Erlangen-Nürnberg: ki.fau.de

Auf der Seite wurden Themen und vor allem Lehrstühle zusammengetragen, die sich in ihrer Forschung mit dem Thema KI, also künstliche Intelligenz, beschäftigen. Das sind in der Tat eine Menge, nämlich über 60 Professorinnen, Professoren, Dozentinnen und Dozenten. Die FAU beschäftigt sich hauptsächlich in vier Bereichen mit KI: in der Medizin(technik), in der Fertigung (also im weitesten Sinne Industrie 4.0), in eingebetteten Systemen (Stichwort „autonomes Fahren“) und in der sogenannten „Ganzheitlichen KI“, da geht es um ethische, soziale und rechtliche Aspekte. Und dann gibt es noch den zusätzlichen Bereich Grundlagenforschung, etwa die mathematischen Voraussetzungen.

Die Seite basiert auf einem ganz hübschen WordPress-Theme, das unser Rechenzentrum entwickelt hat und das eigentlich für Veranstaltungen gedacht ist. Ich finde aber, es passt auch dafür recht gut. Meine Kolleginnen und Kollegen und ich haben die Seite dann befüllt und hübsch gemacht. Ich bin soweit eigentlich ganz zufrieden damit.

Lieblingslevel // Skyrim

Skyrim Screenshot
Skyrim (Bethesda Game Studios, 2011)

Ungefähr alle zwei, drei Jahre fang ich wieder und wieder mit Skyrim an. Ich weiß selber nicht warum, aber Himmelsrand zieht mich immer wieder in seinen Bann. Ich kann sogar was mit der Hauptstory anfangen, über die ja (wie bei so ziemlich jedem Bethesdaspiel) viel gelästert wird. Aber natürlich sind die vielen kleineren Quests um Längen besser und spannender. Eine meiner Lieblingsquests (oder vielmehr Questreihen) ist die Abgeschworenen-Verschwörung in der Stadt Markath.

Wer zum ersten Mal die alte Dwemerstadt betritt wird Zeuge eines Mordes. Die Stadtwachen töten den Angreifer sofort und verscheuchen die Schaulustigen. Keiner soll Fragen stellen. Mysteriös. Vor seinem Tod noch, hat der Mörder was von Abgeschworenen gebrüllt, aber davon wollen die Wachen nichts wissen. Als Spieler/in wird man wenig später von einem Bürger angesprochen: Er ist misstrauisch und will wissen, was hinter den Morden steckt, denn anscheinend, war der beobachtete nicht der erste Mord in letzter Zeit.

Was als Kriminalfall anfängt, entpuppt sich rasch als ausgemachte Verschwörung mit mehreren Parteien. Die Tote ist eine Agentin des Kaisers, der Mörder ein sogennanter Abgeschworener und im Hintergrund ziehen ein abgesetzter König und ein korrupter Politiker die Fäden. Die ganze Geschichte beginnt weit vor den eigentlichen Konflikten des Spiels und ist doch tief darin verwurzelt. Das alles erfährt man Skyrimtypisch in Gesprächen und Tagebüchern. Es kann aber gut passieren, dass man was übersieht und trotzdem von den Folgen seiner Untersuchung eingeholt wird.

Den Mächtigen der Stadt gefällt die Schnüffleien nämlich gar nicht, schieben dem Spieler einen Mord in die Schuhe und stecken ihn ins Gefängnis zum Silber schürfen in eine Mine. Und spätestens hier fängt es an, richtig spannend zu werden. Im Gefängnis wartet nämlich eben jener abgesetzte König und erklärt, in welche Situation sich der/die Spieler/in da eben selbst gebracht hat und welche Möglichkeiten es nun gibt.

Besagter König agiert nämlich aus dem Gefängnis heraus im Auftrag des korrupten Politikers. Er schickt seine Rebellen dorthin, wo der Politiker es haben will, greift kaiserliche Truppen an, bringt unliebsame Konkurrenten um die Ecke und sorgt so für einen stetigen Geldfluss. Mittlerweile hat sich der König aber einen so großen Einfluss erkämpft, dass er kaum mehr zu kontrollieren ist. Der König plant deshalb seinen Ausbruch und den großen Aufstand gegen das aktuelle System – also unter anderem den elendigen Politiker.

Letztendlich kann sich der Spieler also entscheiden: Hilft er den Abgeschworenen auszubrechen oder dem Politiker, indem er den alten König vernichtet. Ähnlich wie beim Hauptkonflikt in Skyrim (Kaiserreich gegen Nordreich) sind beide Parteien brutal, unbarmherzig und kompromisslos – also ziemlich unsympathisch. Mich selber bringt diese Quest jedesmal ins Stocken und ich reagiere jedesmal anders.

Ich mag an der Geschichte, dass sie mich herausfordert, dass sie mich manipuliert, dass sie mir keinen einfachen Lösungsweg spendiert, dass sie mir kein richtig gutes Ende schenkt. Die Quest und ihre möglichen Abschlüsse fügen sich außerdem fantastisch in den großen gesellschaftlichen Konflikt des Spiels. Sie ist damit wohl eine der besseren Kurzgeschichten die Bethesda in Skyrim erzählt.

Und was sagt ihr? Was ist eure Lieblingsquest in Skyrim? Oder habt ihr ein Lieblingsgebiet?

Gedanken (und Links) zur historischen Korrektheit von Computerspielen

Diese Woche lief auf Bayern2 in der Kultursendung ein kurzes Interview über Anno 1800 und historische Korrektheit in Computerspielen. Es freut mich immer, wenn über Computerspiele in den Medien ernsthaft gesprochen und diskutiert wird. Deswegen hier erstmal der Link zum Interview von Knut Cordsen mit Felix Zimmermann.

Sowieso ist das ein spannendes Thema: Wie sehr müssen, sollen, dürfen und können Computerspiele, die ein historisch glaubhaftes Szenario abbilden wollen, auf historische Korrektheit achten. Dürfen sie schwierige Themen ausklammern? Müssen sie sich streng an die geschichtlichen Begebenheiten halten? Was fördert die Authentizität und was schadet dem Spielspaß?

Ich habe Anno 1800 nicht gespielt. Laut Felix Zimmermann wird darin aber weder Kolonialsmus noch Sklaverei ausdrücklich thematisiert – obwohl diese Themenkomplexe ein wichtiger Bestandteil der Industrialisierung des 19. Jahrhunderts sind. Vielleicht aber trifft es das Wort „problematisiert“ besser, denn wenn ich als Spieler unbekannte Inseln besetzte, dann kolonialisiere ich sie ja, damit ist das Ausbeuten von Ländern und Ressourcen ja ein integraler Bestandteil des Spiels. Das führt aber in Anno 1800 wohl erstmal nicht zu Problemen gesellschaftlicher Art. Das wird dem Spiel (zurecht?) angekreidet. Nun hat Anno 1800, nach allem was ich gelesen und gehört habe, aber durchaus komplexe und zwiespältige Themen parat, etwa die Möglichkeit die Zeitungsberichterstattung zu manipulieren oder Arbeiter auszubeuten.

Ich finde, Felix Zimmerman hat Recht, wenn er sagt: Ein Spiel darf sich aus einem Pool an historischen Themen bedienen und darf Themen auch weglassen, die dem Spiel(spaß) vielleicht schaden würden. Warum das ausgerechnet die Sklaverei und der Kolonialismus sind, aber Manipulation und Ausbeutung nicht, kann ich jetzt schwer abschätzen. Aus ethischer Sicht sind solche Themenkomplexe natürlich hochinteressant und es wäre wünschenswert, wenn noch mehr Spiele diese behandeln würden – gerade wenn sie den Anspruch haben historisch korrekt oder authentisch zu sein. Ich würde mich freuen, wenn Spieleentwickler sich trauen würden, noch öfter ambivalente Themen in Spiele einzubauen. Gerade in wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Spielen wie Anno würde ein solches ethisches Spannungsfeld, das man eventuell nicht erwartet, ein großes Potential moralischer Reflexion aufbauen. Ich bin wirklich sehr gespannt, was in dieser Richtung noch passiert.

Zu den Themen historische Korrektheit, Authentizität und Wirtschaftssimulationen noch ein paar weiterführende Links:

  • Vom rechten Bild des Mittelalters: Das Spiel Kingdom Come: Deliverence hat große Wellen geschlagen, vor allem weil es für sich einen hohen Grad an historischer Korrektheit beanspruchte. Der Arbeitskreis Geschichtswissenschaft und Digitale Spiele hat unter diesem Link sehr lesenswerte Kurzstatements seiner Mitglieder zum Spiel gesammelt.
  • Die GameStar hat sich mit Kingdom Come: Deliverence ebenfalls ausführlich beschäftigt und hat hier alle Links und Beiträge zum Thema zusammengefasst.
  • Im RocketBeans-Forum gibt es ein Thread zum Thema. Dort hat ein User ein paar Artikel gesammelt. Die Diskussion darunter kann man sich hingegen sparen 😀
  • Und zum Thema Wirtschaftssimulation und Kapitalismus in Spielen emfpehle ich noch den Podcast von Stay Forever zu Die Siedler – eine großartige Analyse dieses zutiefst kapitalisitschen Spieles.

Neuer Job

Vor etwa zehn Jahren habe ich zum ersten Mal beim Meramo Verlag angefangen. Erst als Student, später als Volontär und schließlich als Redakteur und Product Owner. Ich habe unglaublich viel gelernt und sehr tolle Menschen getroffen. Leicht ist es mir deshalb nicht gefallen, den Verlag zu verlassen und eine neue Stelle anzutreten. Aber ich denke, nach einer so langen Zeit, ist es auch gut, mal was anderes kennenzulernen.

Seit dem 1. April habe ich also einen neuen Job: Ich bin zurück an meine alte Universität, die FAU in Erlangen, und arbeite dort als Webredakteur in der Pressestelle. Die ein oder andere „Frucht“ meiner Arbeit, werde ich hier sicherlich mal präsentieren.

Lieblingslevel: Baldur’s Gate 2

Der verrückte Magier in seiner Maschine. Ja, der lebt da drinnen.

Von allen Spielen dieser Welt ist Baldur’s Gate 2 vermutlich das Spiel, in das ich am meisten Zeit gesteckt habe. Ich kann mich noch gut erinnern, wie ich mit meinem Freund Tobi ganze Nächte in seinem Zimmer saß und wir abwechselnd (jeder eine Stunde) BG2 gezockt haben. Der andere hat in der Zeit, wo er nicht spielen konnte, auch mal gepennt. Ich selber hatte das Spiel in meiner Jugend gar nicht und es hat wirklich eine ganze Weile gedauert, bis ich es daheim hatte.

Die Story von BG2 ist großartig, das Charaktersystem ausgefeilt, die Kämpfe anspruchsvoll, die Rätsel knifflig und die Welt fantastisch gezeichnet. Es ist jedesmal von neuem eine große Freude durch Amn zu reisen, Imoen zu befreien, mit Jaheira die Harfner zu erledigen und mit Keldorn die Sekte der Augenlosen zu infiltrieren. Am meisten freue ich mich aber jedesmal auf die Wachende Festung – mein Lieblingslevel in BG2.

Die Wachende Festung ist erstmal ein klassischer Dungeon, ein Gefängnis für allerlei Ungemach. Man kämpft sich von oben nach unten durch, im letzten Level wartet der Endgegner. Klingt vielleicht unspektakulär, aber die Wachende Festung ist ein Diamant unter den Rollenspiel-Dungeons, ein wahres Meisterstück, ausgefeilt und ausgebufft. Die Wachende Festung kam mit dem Addon „Thron des Bhaal“ ins Spiel und richtet sich definitiv an erfahrene Gruppen, die Kämpfe sind anspruchsvoll. Dafür gibt es auch so richtig fette Beute – und was will man als Rollenspieler mehr als Loot?

Jeder der fünf Stockwerke der Festung hat ein bestimmtes Thema, der Ausgang zum nächsten Level muss erst freigerätselt werden. Das bedeutet, dass man vor allem aufmerksam lesen, die Umgebung genau beobachten und vorsichtig vorgehen muss. Verspielen kann man zwar nichts, aber wer die Tagebucheinträge, Zettel und Hinweise nicht liest und versteht, hat keine Chance.

Da gibt es das Level mit den vier Elementarräumen, dann das Labyrinth-Rätsel in dem der ewige Kampf zwischen zwei Dämonenvölkern tobt und natürlich das großartige Stockwerk mit dem verrückten Magier in der Wundermaschine. Und dann ist da natürlich noch der Endboss – der tatsächlich noch einen Story-Twist parat hat.

Mit wieviel Liebe zum Detail dieser Dungeon erstellt wurde, merkt man erst, wenn man sich andere vergleichbare Dungeons in anderen Rollenspielen anschaut – vor allem die Endlosen Pfade im geistigen Nachfolger Pillars of Eternity: 15 Stockwerke (!) und keines davon kann auch nur annähernd einem der Levels der Wachenden Festung das Wasser reichen – und am Ende wartet ein Drache, ja wie langweilig.

Ganz anders unser Endboss in der Wachenden Festung: ein hinterhältiger, ziemlich widerlicher Dämonenprinz – aber unser Questgeber scheint auch nicht ganz sauber zu sein. Jedenfalls ein mehr als würdiger Abschluss für den besten Dungeon in einem der besten Spiele aller Zeiten.

Neue EP!

Letztes Jahr im Sommer war ich zusammen mit meiner Band A Desert Symphony im Studio. Eine feine Zeit in der fränkischen Pampa bei Ghostcity Recordings. Dort haben wir acht Songs aufgenommen und daraus eine hübsche kleine EP gebastelt. Vor einer Woche war Release-Konzert in Nürnberg in den wunderbaren Wonderland Creative Studios. Wer das verpasst hat, hat wirklich was verpasst. Also echt wahr. Vorband war der fantastische John Steam Jr., der hiermit wärmstens ans Herz gelegt sei.

Nun aber wieder zurück zur Band. Wir machen Folk-Pop. Klingt manchmal ein bisschen wie Mumford & Sons (mit Frauengesang) oder wie Of Monsters & Men oder wie Rend Collective. So in der Art halt.

Die EP haben wir nicht nur fein pressen lassen mit Cover und Booklet und allem, sondern auch digital veröffentlicht. Auf Bandcamp. Kann man sich also hier anhören und runterladen (für schlappe 8 Euro).

(Obacht: Player startet bei Song 2 ;o)

Relaunch bei studienwahl.de

Seit einem Jahr beschäftige ich mich auf Arbeit intensiv mit dem Relaunch von studienwahl.de. Der Verlag für den ich arbeite hat Ende 2017 die Ausschreibung für das Portal der Bundesagentur für Arbeit und der Stiftung für Hochschulzulassung gewonnen, seitdem haben wir an dem Internetauftritt geschraubt. Freitag Nachmittag ist das ganze dann online gegangen und ich bin sehr zufrieden. Aber seht selbst: www.studienwahl.de.

Vorher:

Nachher:

(Das grün sieht auf meinem Bildschirm etwas grell aus…)

Mein Anteil daran war vergleichsweise gering. Die meiste Arbeit hatte natürlich das Entwickler-Team in unserem Büro in Berlin. Als Product Owner habe ich den Relaunch aus Redaktionssicht betreut. Ich hab fleißig Tickets geschrieben und Zeug entschieden, am Konzept gefeilt und Designs besprochen, Inhalte eingepflegt und Layouts gerade gezogen. Natürlich war eine wichtige Aufgabe auch mich mit der Chefredaktion, der Geschäftsführung und den Heruasgebern abzustimmen und die Vorgaben umzusetzen.

Jetzt jedenfalls kann sich das Ergebnis echt sehen lassen. Es ist eine unglaubliche Verbesserung zu vorher. Wir haben die Rubriken und Inhalte neu strukturiert, viele Servicefunktionen erweitert und neu eingebaut, die Studiengangsuche optimiert und ganz allgemein das Design modernisiert. Ich bin tatsächlich ziemlich stolz.

Wie gefällts euch? 😀