Ethik und Moral in Computerspielen // The Banner Saga

Screenshot aus The Banner Saga.

The Banner Saga (Stoic Entertainment, 2014)

Die Fantasy-Welt in The Banner Saga liegt im Sterben. Das sieht man der schönen Landschaft nicht an, aber man spürt es an jeder Ecke. Krieg zieht auf, als die Götter im Totenreich verschwinden und golemartige Wüter über das Land herfallen. Die Menschen fliehen, die rießenhaften Varl hingegen rüsten sich für den aussichtlosen Kampf. Und überall an jeder Ecke warten Missgunst, Raffgier und Todesangst, um alte Freundschaften zu zerstören und aus Verbündeten Feinde zu machen.

Der Spieler steckt mittendrin und begleitet abwechselnd eine Gruppe Menschen auf der Flucht oder ein Trupp Varl an die Front. Dabei muss der Spieler drauf acht geben, dass die Stimmung in der Gruppe gut bleibt, alle genug zu Essen haben und nicht zu viele Tage verstreichen. Zwischendrin sind harte Taktikkämpfe zu bestehen, für die es Erfahrungspunkte gibt. The Banner Saga ist damit eine interessante Mischung aus Rundenstrategie, Survival-Taktik und Rollenspiel.

Auf der Reise oder in Gesprächen gerät der Spieler immer wieder in Situationen, in denen er sich entscheiden muss. Einmal rutscht eine Pferdekutsche über eine Klippe. Einer der Varl versucht den Wagen zu halten. Wenn der Spieler den Mann nicht davon abhält könnte er stürzen, aber andererseits könnte er es auch schaffen Proviant zu retten. Jede Entscheidung hat Konsequenzen. Entweder sofort (Wagen stürzt ab – mit Mann oder ohne) oder erst nach einer gewissen Spielzeit. Dann stellt sich zum Beispiel ein Begleiter, den der Spieler großmütig mitgenommen hat, gegen ihn – mit tödlichen Folgen. Ein anderes Mal behindert ein alkoholkranker Mann die Flucht, sorgt immer wieder Chaos, sogar Schlägereien. Wie geht der Spieler mit so jemanden um? Weiterhin mitnehmen? Oder aussetzen, so wie es die Begleiter fordern.

Das spannende ist, dass The Banner Saga keinen Hinweis, keine Hilfestellung gibt, wie eine mögliche Konsequenz aussehen könnte. Gut oder böse gibt es in dieser Spielwelt voller Grautöne nicht. Der Spieler ist dem relativ hilflos ausgeliefert und kann nur nach seinem eigenen Gefühl, seinem eigenen moralischen Kompass entscheiden. Und muss dann mit den Konsequenzen leben, denn das Speichersystem ist gnadenlos.

The Banner Saga ist ein ethisch hoch interessantes Spiel. Es versetzt den Spieler durch die spannende Geschichte in eine außergewöhnliche Lage. Die Flucht und die damit verbundenen ethischen Fragen werden vom Spiel mit großem Ernst und allen Konsequenzen beschrieben, der Spieler wird zu Antworten auf bedeutungsvolle (spielerisch, wie moralisch) Fragen gezwungen. Er muss sich darauf einlassen, um das Spiel fortführen zu können. Entscheidungen muss er aufgrund seiner eigenen Moralvorstellung treffen, denn das Spiel enthält ihm jedwede Sicherheit vor, wie Konsequenzen aussehen könnten. Die Folgen des Handelns können schlecht oder gut sein, sie treffen aber auf jeden Fall ein, ohne dass der Spieler seine Entscheidung irgendwie revidieren könnte.

In meiner Masterarbeit habe ich mich mit der Darstellung von Ethik und Moral in Computerspielen beschäftigt. Nicht jedes Computerspiel ist in der Lage, den Spieler zu einer ethischen Reflexion seines Handelns zu bringen. Einige schon. In dieser Reihe beschreibe und untersuche ich Spiele, die versuchen, Ethik und Moral ins Spiel integrieren.

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