Kellermensch // Goliath

CD-Cover von GoliathDas Debüt von Kellermensch habe ich damals besprochen, als ich Praktikant bei laut.de war. Das musste recht schnell gehen, weil wir die Platte noch am selben Tag als Album der Woche präsentieren wollten. So wirklich zufrieden war und bin ich deshalb nicht mit meiner damaligen Kritik. Aber egal, das ist jetzt auch schon sechs Jahre her. Nun ist das zweite Album der Dänen erschienen und es ist wieder Platte der Woche geworden – wieder absolut verdient. Kellermensch haben sich hervorragend weiterentwickelt und ihren Stil genau an den richtigen Stellen verfeinert. Die Mischung aus tonnenschwerem Doom-Metal und leichtem Indie-Rock, die das erste Album so faszinierend gemacht hat, wurde nun zu Gunsten des Indie-Rocks entschlackt. Eine gute Entscheidung, das Gegrowle und die simplen Metal-Riffs haben nicht lange unterhalten. „Goliath“ ist ein leichtes, verspieltes aber immer noch sehr düsteres Album geworden.

Meine ausführliche Kritik gibt es hier bei laut.de und darunter wie immer ein Video zum reinhören. Diesmal eine Art Live-Ding. Das fängt mit dem relativ lahmen „Bad Sign“ an, „Mediocre Man“ ist dafür aber ziemlich geil.

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Brand New // Science Fiction

Cover "Science Fiction" von Brand NewUnd zack! Gleich die nächste Kritik. Diese Platte hat mich besonders gefreut, weil Brand New seit dem Überalbum „The Devil and God are raging inside me“ eine meiner absoluten Lieblingsbands sind. Die neue Platte kam für mich ziemlich überraschend, ich hatte nicht erwartet, dass die Truppe noch was rausbringt. Umso schöner, dass „Science Fiction“ ein wirklich herausragendes Album geworden ist. Brand New fassen ihr bisheriges Schaffen einmal zusammen und lassen alle ihre Einflüsse zu Wort kommen. Das ergibt eine absolut stimmige Mischung aus Pearl Jam, Modest Mouse und Queens of the Stone Age, aus Bluesrock, Grunge, Postcore, College-Rock und Folk. Sehr reduzierte Instrumentierung, dafür aber gewaltige Ausbrüche, Elektrozeug, fusselige Bässe, Geschrei, wunderschöne Melodien und Akustik-Gitarren-Soli. Alles auf einer Platte. Ich glaube auch eine Mandoline gehört zu haben. Jedenfalls: Ein großartiges Album. Ich hab mal die fünf Punkte springen lassen. Hier gehts zur Kritik bei laut.de und hier der Monstersong „Same Logic/Teeth“.

Gogol Bordello // Seekers & Finders

Plattencover von Gogol Bordellos "Seekers & Finders"Endlich mal wieder eine Plattenkritik geschrieben. Gogol Bordello habe ich während meines FSJ rauf und runter gehört. Ich stand ziemlich auf alle punkigen Folk-Sachen. Dementsprachend super fand ich den dreckigen Balkan-Punk der wilden Truppe um Eugene Hütz. Mit der Zeit wurden mir die aber echt zu anstrengend. Die Nachfolgerplatten habe ich dann schon gar nicht mehr gehört. Jetzt ist ein neues Album erschienen und ich hatte wieder richtig Bock auf die Mukke. Gogol Bordello sind bei „Seekers & Finders“ lange nicht mehr so anstrengend, vor allem, weil sie nicht mehr so plakativ verrückt sein wollen. Stellenweise ist das Album jetzt sogar richtig entspannt – leider auch arg routiniert, weswegen manche Songs nur so dahinplätschern. Macht trotzdem Spaß und einige Highlights sind definitiv dabei. „Walking on burning coal“ zum Beispiel ist ganz kool. Hier gehts zur Plattenkritik auf laut.de.

Meilensteinkritik: Black Flag // Damaged

Cover von Black Flags "Damaged".

Black Flag // „Damaged“

Black Flag sind die Mütter des Hardcore. Das erste Album der Band ist also Pflicht für alle, die sich mit dem Genre beschäftigen wollen. Für laut.de habe ich zu „Damaged“ eine Meilensteinkritik geschrieben und mich zum ersten Mal wirklich intensiv mit der Band beschäftigt. Vor ein paar jahren habe ich das neueste Album für laut.de besprochen und war nicht sonderlich angetan. „Damaged“ ist um Längen besser, weil: intensiv, roh, direkt und aggressiv. Die Riffs von Greg Ginn sind halt einfach ein Brett und damals noch völlig unverbraucht. Seine dissonanten Soli sind großartig, vor allem, wie er es nach scheinbar zufällig zusammengewürfelten Tönen wieder schafft, ins Soundkonstrukt zurückzufinden. Und dann ist da natürlich noch Henry Rollins, das Aushängeschild der Band, der wie kaum ein anderer Schreihals seine ganze Wut rauskeifen kann. „Damaged“ ist damit der Grundstein für das Genre, ein Album, dass schon alles vorweg nahm, was danach kam und an dem sich alle Hardcore Bands messen müssen.

Interessanterweise könnte man jetzt auch über das zweite Album „My War“ eine weitere Meilensteinkritik schreiben. Denn die Platte hatte deutlichen Einfluss auf Grunge und Sludge. Vielleicht schreib ich das ein anderes Mal…

Jetzt aber erstmal meine Meilensteinkritik zu „Damaged“ auf laut.de und hier noch der Opener:

Touché Amoré // Stage Four

Cover von "Stage Four"Touché Amoré war schon immer die Band aus der The Wave-Bewegung, die ich am besten fand. Wie sie ihre Zwei-Minuten-Songs immer mit Ideen vollpackten, hat mich schon immer fasziniert und begeistert. Das neue Album ist da etwas anders. Auf „Stage Four“ gibt es so Sachen wie Chorus, Strophe, Interlude… Also ganz gewöhnliche Songstrukturen. Klappt erstaunlich gut. So hat man auch diesmal mehr von der Platte und muss nicht wieder nach 20 Minuten auf Repeat drücken. Inhaltlich beschäftigt sich die band diesmal mit dem Tod von Sänger Jeremy Bolm. „Stage Four“ ist damit ein unheimlich persönliches, packendes und bewegendes Post-Hardcore-Album. Mit Sicherheit wird die Platte wieder beim allährlichen Best-Of erscheinen.

Meine Plattenkritik auf laut.de findet sich hier und wie immer spendiere ich noch ein Video des fantastischen „Palm Dreams“:

Plattenkritik und Interview: Thrice // To Be Everywhere Is To Be Nowhere

Foto: Jonathan Weiner

Foto: Jonathan Weiner

Thrice gehört – das muss ich hier betonen – zu meinen absoluten Lieblingsbands. Ich liebe jedes Album, die allermeisten Songs, die Musiker, ihre Texte und freilich ihre Musik. Wenn also Thrice ein neues Album rausbringen, bin ich ziemlich aufgeregt. Umso herber war mein erster Höreindruck vom neuen Album „To Be Everywhere Is To Be Nowhere“. Ich kann es nicht mehr genau beschreiben, aber ich war ehrlich unterwältigt. Mit der Zeit bin ich nun aber doch ins Album eingetaucht und bin erneut großer Fan. Ein großes Gitarrenalbum mit offenem Sound, hymnisch, vielseitig, spielfreudig und kompakt. Kaum große Spielereien, dafür weite Refrains, starke Riffs und ein erstaunlich wütender Sänger. Die Texte sind wieder wesentlich sozialkritischer und politischer als früher. Alles in allem: Ein tolles und spannendes Rock-Album. Auf laut.de gibt es die Plattenkritik.

Außerdem durfte ich die Band interviewen. Nun, zumindest Teppei, den Gitarristen. Am Telefon. Das ist immer so eine Sache, die Verbindung nach Amerika ist eher mies, man muss auf Antworten mitunter lange warten und hat kein Gesicht, aus dem man etwas lesen könnte. Mein erstes Interview mit Thrice vor vier Jahren war deshalb ein ziemliches Desaster und ich denke ungern daran zurück. Diesesmal lief es wesentlich besser und ich hatte großen Spaß mit Teppei, auch wenn die Verbindung echt schlecht war. Auch das Interview ist bei laut.de erschienen.

Plattenkritik: Ben Caplan // Birds With Broken Wings

Wenn ich mal groß bin, will ich auch so einen Bart wie Ben Caplan haben… oder noch besser: so singen können. Der gute Ben hat ein Stimmvolumen, das ähnlich opulent wie sein mächtiger Bart ist. Und das ist auch das großartige an seiner neuen Platte „Birds With Broken Wings“. Er ist unglaublich vielseitig und kann seine Stimme gefühlt beliebig einsetzen. Die Musik: Auch klasse. Mal Swing, mal eingängiger Folk-Pop, dann  Tom-Waits-mäßiger Klezmer, ein knalliger Ausflug zu „Nightmare Before Christmas“ und schummriger Country. Macht von vorne bis hinten Spaß das Album. Oh, wer die Chance hat Ben live zu sehen: unbedingt machen. Hier meine Plattenkritik auf laut.de und nachfolgend ein Video (Der Barty, ey!).

Neue Plattenkritik: Turbostaat // Abalonia

Turbostaat hab ich sehr gern. Eigentlich erstaunlich, dass ich sie erst mit dem letzten Album „Stadt der Angst“ so richtig kennengelernt habe. Damals habe ich auch eine Rezi geschrieben. „Abalonia“ heißt die neue Platte und die klingt tja wie Turbostaat eben klingen: Dreckig, punkig, nachdenklich, wütend, sphärisch und mehr als sonst postrockig. Die Texte sind vor allem wieder eine Wucht. „Abalonia“ ist eine Art Konzept-Album, erzählt ein Märchen über Flucht und Vertreibung, bezieht dabei klar Stellung: „Im Dunkeln liegt die Oper / Die Stadt doch viel zu nett / Für die hässlichsten Gedanken in euch.“ Klar, damit ist Dresden gemeint. Und dann: „Diese Stadt hat heimlich Durchfall / Und der sieht fast aus wie du.“ Das ist dann wohl Pegida 😀 Oft sind sie aber gar nicht so direkt, sondern viel verschwurbelter. Ich mag das sehr! Hier meine Rezi und da das Video:

Meilenstein: Quicksand // Slip

Die ersten Tage des neuen Jahres habe ich mit Quicksand und ihrem Album Slip“ verbracht. Eine tolle Platte. Nicht die erste, aber eine der prägendsten Alben für den Postcore. Zig Bands, von Thrice über Hot Water Music zu La Dispute, sind von dieser Band beeinflusst worden und verwenden die gleichen Trademarks. Ein kantiges, schepperndes, dreckiges und spannendes Album. Von 1993. Deswegen hab ich gleich mal eine Meilensteinkritik für laut.de geschrieben. Hier meine Kritik und wie immer ein Song.

Top 10 Alben // 2015

Andi hört MusikDas Jahr neigt sich dem Ende zu und es ist die große Zeit der Best-Of-Listen. Da will ich natürlich auch meinen Senf dazu geben. Es folgt eine ungeordnete Liste mit zehn Alben, die ich in diesem Jahr besonders gerne gehört habe.

  • Punch Brothers // The Phosphorent Blues: Quirliger, verspielter und vertrackter Folk-Pop mit einem wahren Mandolinen-Genie. Video | Kritik
  • Caspian // Dust & Disquiet: Sehr schöner, sphärischer aber auch wilder Postrock mit todtraurigem Cover. Video
  • Shalosh // Bell Garden: Jazz aus Israel. Leicht, unaufgeregt und sagenhaft kreativ. Video
  • And So I Watch You From Afar // Heirs: Nochmal Postrock. Diesmal von meinen Lieblingen aus Belfast. Wie immer komplett durchgeknallt und hyperaktiv, aber hier sind immer öfters auch luftige Songs dabei. Video | Kritik
  • Anti-Flag // American Spring: Eine der großen Überraschungen des Jahres. Eine durchdachte, ausgefuchste und abwechslungsreiche Punkplatte. Video | Kritik
  • The Dear Hunter // Act IV: Rebirth In Reprise: Hab ich erst sehr spät entdeckt und freu mich immer noch darüber. Poppiger und folkiger Prog. Sehr spannend. Video
  • Refused // Freedom: Sie sind wieder da. Und wie. Die Hardcore-Legende aus Schweden knallt wieder os richtig wie früher. Zum Glück haben sie nicht allzugroßen Respekt vor ihrem eigenen Vermächtnis. Video | Kritik
  • Unwed // Raise The Kids: Klasse Supergroup mit Sängerin. Eingängiger und packender Alternative-Rock. Tief in den 90ern verwurzelt. Video | Kritik
  • Paper Arms // Great Mistakes: Schon das zweite Album der australischen Postcore/Punkrocker habe ich geliebt. Hier klingen sie sowohl ausgereifter und sauberer, aber auch sehr grungig. Video | Kritik
  • Benjamin Clementine // At Least For Now: Was für eine Stimme. Mein lieber Mann. Sehr emotionales Album, dass sich oft auf die warme Soul-Stimme und ein Klavier beschränkt. Video