Ethik und Moral in Computerspielen // Fallout: New Vegas

Screenshot aus Fallout: New Vegas

Fallout: New Vegas (Obsidian Entertainment, 2010)

Einen Blogbeitrag zu Ethik und Moral in Fallout 3 (F3) habe ich bereits geschrieben. Warum also noch einen zu Fallout: New Vegas (F:NV)? Nun, F:NV ähnelt F3 in der Tat in vielen Punkten, z.B. Grafik, Interface, Charakerentwicklung usw. Aber es macht auch einiges anders. F:NV ist hier etwas radikaler, dort etwas nachlässiger. Aber ganz entscheidend: Die Weltsicht ist eine komplett andere.

In F3 geht es – extrem runtergebrochen – um die persönliche Entwicklung der Spielfigur. Über dieser Entwicklung steht der Vater des Protagonisten, der sich die Rettung des Ödlandes auf die Fahnen geschrieben hat. Der Spieler handelt also meist unter dem großen Thema: „Wer bin ich und wer will ich sein?“ Die meisten Entscheidungen ordnen sich dieser Frage unter. Das Spiel ist um die Spielfigur herum entwickelt, das Geschehen orientiert sich an ihr, es dreht sich alles um sie. Will der Spieler gut sein, wird er versuchen immer und überall gute und ehrenhafte Taten zu vollbringen. Das spannende ist eben dann, wenn diese guten Taten schlechte Konsequenzen haben. In diesem Spannungsfeld arbeitet F3. Entsprechend wichtig ist das Karma-System, dass viele Handlungen in Gut und Böse einteilt.

Das Karma-System gibt es auch in F:NV, aber es ist so gut wie egal. Wichtiger sind hier die Fraktionen und das große Ganze. Die große Frage lautet hier: „In welcher Gesellschaft und in welchem gesellschaftlichen System möchte ich leben?“ Es ist relativ schnell klar, worauf das Spiel hinauslaufen wird: Wer soll New Vegas beherrschen. F:NV fährt dabei zahlreiche Gruppierungen der verkorksten Fallout-Welt auf, die sich alle um den Hoover Dam streiten. Es ist die entscheidende Aufgabe des Spielers, sich eine dieser Gruppierungen auszusuchen und mitzumischen. Das sind auf der einen Seite Caesars Legion, eine Truppe, die Ordnung und Regeln verspricht, ihre Gesellschaft aber auf den Rücken von Sklaven aufbaut. Unterdrückung von Minderheiten ist klar eine der Hauptsäulen dieser Bande. Auf der anderen Seite steht die New California Republic, eine Vereinigung, die an das „alte“ Amerika erinnert und Werte, wie Freiheit und Zivilisation hochhält. Allerdings krankt sie an Bürokratie und einer zu großen Ausbreitung, um die Bewohner des Ödlandes wirklich zu schützen. Dann spielt noch Mr. House eine wichtige Rolle, er beherrscht New Vegas, gibt aber in seiner technokratischen Weltsicht einen feuchten Kerricht auf menschliches Leben. Außerdem kann der Spieler alles selbst in die Hand nehmen und etwas eigenes aufbauen.

Alle diese Fraktionen haben im Grunde ein ähnliches Ziel: Eine funktionierende Gesellschaft aufbauen, dabei treten sie aber unweigerlich ethische Werte mit Füßen. Wirklich gut ist hier niemand. Der Spieler wird sich für eine Seite entscheiden und damit bestimmte Werte verraten. Er kennt aber die Konsequenzen seiner Entscheidung nicht, sondern trifft diese aufgrund seiner eigenen Moral oder Logik.

Miguel Sicart arbeitet in seinem Buch Beyond Choices zwei Dingeheraus, die F:NV besonders machen.

  1. Nicht jede Entscheidung hat weitreichende Konsequenzen, nicht jede Konsequenz tritt aber sofort ein. Der Spieler hat einfach keine Ahnung, wie sich sein Handeln auswirkt – und wann es sich auswirkt. Solche uninformierten Entscheidungen kennen wir auch schon aus anderen Spielen, etwa The Banner Saga.
  2. Alle Handlungen sind in die Geschichte rund um New Vegas eingebettet. Die Spielwelt ist aber nicht um das Handeln des Spielers herum aufgebaut (also anders als in F3). Vielmehr ist der Spieler ein Teil davon, fast schon wie ein gewöhnlicher NPC. F:NV gibt einem nie das Gefühl, die wichtigste Person des Spiels zu sein. Oder wie Miguel Sicart schreibt:

„Unlike many other computer games, Fallout: New Vegas does not necessarily make players feel as though they are part of the wheel of history. It allows them to be just a tiny element in a larger narrative on which they have some influence, but they are never totally aware of the results of their interventions.“

Ich persönlich mag Fallout: New Vegas mehr als Fallout 3, weil es ein bisschen verrückter ist, weil es etwas radikaler ist und weil es mich als Spieler nicht ganz so ernst nimmt.

In meiner Masterarbeit habe ich mich mit der Darstellung von Ethik und Moral in Computerspielen beschäftigt. Nicht jedes Computerspiel ist in der Lage, den Spieler zu einer ethischen Reflexion seines Handelns zu bringen. Einige schon. In dieser Reihe beschreibe und untersuche ich Spiele, die versuchen, Ethik und Moral ins Spiel integrieren.

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2017 // Spiele

Screenshot von gog-Galaxy.

Was sich so alles in einer Spiele-Bibliothek tummelt… Wird das jemals gespielt?

Was habe ich 2017 so alles gezockt? Hauptsächlich alten Kram erscheint mir. Aber natürlich lauter gute Sachen dabei. Teilweise gibt es auch Blogbeiträge dazu.

  • Skyrim: Nicht gedacht, dass ich das tatsächlich nochmal rauskrame, aber tatsächlich habe ich Skyrim mal wieder durchgespielt. Es hat nichts von seiner Faszination verloren.
  • Fallout: New Vegas: Auch diesen Brocken habe ich schon das zweite Mal durch. Ich finde es tatsächlich besser (weil durchgedrehter) als Fallout 3. Ein Blogbeitrag dazu folgt – hoffentlich.
  • Darkest Dungeon: Hat mich am Anfang total fasziniert, weil es so erbarmungslos ist. Aber irgendwann nervt das ewig gleiche Spielprinzip doch. Und wenn man eine nach Stunden hochgezüchtete Spielfigur in einem dämlichen Sumpf verliert, verliert man jegliche Lust weiterzumachen.
  • Her Story: Schönes Kleinod, spannede Geschichte und interessantes Gameplay.
  • BattleBlock Theater: Herrlichstes Jump&Run ever (!!!11elf). Also ich weiß echt nicht, wann ich mich das letzte Mal bei einem Spiel so weggeschmissen habe. Unbedingt im Koop spielen.
  • Mass Effect 2 & 3: Ja, uff, auch diesen Brocken habe ich mal wieder gezockt. Ich bin großer Fan der Trilogie. Es gibt einen vierten Teil? Mh, noch nie gehört.
  • The Banner Saga 2: So gut wie der erste Teil. Muss man nicht mehr sagen.
  • Steam World Heist: Auf dem Tablet gezockt. Nett für zwischendurch – Steamworld Dig macht aber mehr Spaß.
  • Baldurs Gate 2: Zum wievielten Mal habe ich das jetzt angefangen? Keine Ahnung. Werde ich es diesmal beenden? Keine Ahnung.
  • Never Alone: Total putziges Jump & Run. Und man lernt was über Inuits! Wirklich schön gemacht – eigentlich einen Kleinod-Beitrag wert, oder?
  • Portal: Auch endlich mal geschafft. Hat sich definitiv gelohnt.
  • Half Life 2: Ja äh, Half Life 2 ist so wie Nirvanas „Nevermind“. Muss man halt mal angehört/gespielt haben, gell? Ein zweites Mal brauch ich das jetzt aber nicht.
  • Tyranny: Angefangen, noch nicht fertig. Ein Blogbeitrag wird definitiv folgen.

2017 // Musik

Cover der Bands SHalosh, Enter Shikari, Manchester Orchestra, Quicksand, Brand New und Kellermensch.

Musik aus dem Jahr 2017. Die besten Alben? Wer weiß…

Ich gebe zu: Dieses Jahr ist musikmäßig irgendwie stark an mir vorbeigegangen. Für laut.de hab ich gerade mal eine handvoll Kritiken geschrieben und deswegen nicht so viel mitbekommen, wie das sonst der Fall ist. Dennoch: Ich habe mir sechs Platten rausgesucht, die ich in diesem Jahr sehr gerne gehört habe. Teilweise gibt es dazu auch Kritiken von mir. Here you go:

  1. Brand New // Science Fiction: Brand New gehören zu meinen Lieblingsbands und Science Fiction ist vermutlich das zweitbeste Album der Truppe (Nichts schlägt „The Devil And God Are Raging Inside Me“). Eine Platte für Musikentdecker. Vielseitiger und kreativer Postcore-Grunge-Rock.
  2. Manchester Orchestra // A Black Mile To The Surface: Meine Frau und ich haben Manchester Orchestra im November in Hamburg gesehen und es war vermutlich eines der besten Konzerte bisher. So eine Intensität findet man nicht oft. Das neue Album der Band ist super, poppiger als der Vorgänger, ruhiger auch, und voller großartiger Melodien.
  3. Shalosh // Rules Of Oppression: Die isrealische Jazzband habe ich mal in Bayreuth gesehen. Dieses Jahr waren sie wieder da – und ich habs verpasst. Aber meine liebe Frau war dort und hat mir das neue Album mitgebracht. Fantastische Scheibe, genauso locker flockig, verspielt und kreativ wie der Vorgänger.
  4. Enter Shikari // The Spark: Dass Enter Shikari auf dieser Liste stehen überrascht mich immer noch. Ich mag diese Band sehr, aber bisher waren andere Alben einfach besser. Ob es jetzt daran liegt, dass ich 2017 wenig neue Musik gehört habe oder nicht: „The Spark“ macht mächtig Spaß. Enter Shikari verzichten weitgehend auf ihren Trance-Core und schielen in Richtung Electro-Indie-Pop, was saumäßig gut klappt – und politisch sind sie halt immer noch. Gute Jungs.
  5. Quicksand // Interiors: Die Platte war eigentlich schon gesetzt, als ich sie noch gar nicht gehört hatte. Wenn Walter Scrheifels Musik macht, ist sie immer gut. Quicksands Album „Slip“ von 1993 hat den Postcore maßgeblich geprägt. Seitdem ist aber nicht mehr viel passiert. „Interiors“ ist also das Comeback-Album der alten Herren, etwas ruhiger und gesetzter als vor über 20 Jahren aber immer noch mit mächtig Druck in den Riffs. Man muss sich nur den Opener anhören und weiß: Die haben nix verlernt.
  6. Kellermensch // Goliath: Die kleinen Dänen sind nach einigen Jahren aus der Versenkung zurückgekehrt und legen sich mit ihren eigenen Goliaths an. Klappt gut, den Metal haben sie rausgeworfen und dafür die Tanzschuhe angezogen. Das steht ihnen ausgezeichnet, schön düster sind sie ja immer noch.

Presseschau // Wolfenstein 2

Screenshot aus Wolfenstein 2.Ein PC-Spiel sorgt für Schlagzeilen!  Nicht, weil es so gewalttätig ist. Nicht, weil die Entwickler fragwürdige Mikrotransaktionen eingebaut haben. Auch nicht, weil es Nazi Symbolik verwendet. Sondern vor allem, weil es eben genau das Gegenteil macht: Es blendet den Nationalsozialismus im Prinzip aus. Zumindest in der deutschen Version.

Ich finde es großartig, dass darüber diskutiert und geschrieben wird – nicht nur in unserer Gamer-Blase. Das mag jetzt etwas hochgegriffen sein, aber es sind solche Diskussionen und Beiträge, die das Medium Computerspiel immer mehr aus der Nerdecke herausheben. Und wer weiß, vielleicht sind wir irgendwann wirklich soweit, Computerspiele als Kunstform anzusehen.

Jedenfalls folgt hier eine kleine Presseschau zu einigen Artikeln, die ich zum Thema Wolfenstein gefunden habe. Das sind absichtlich keine Tests dabei. Wer ähnliche interessante Beiträge findet, darf sie mir gerne per Mail schicken, ich füge sie dann noch nachträglich ein.

  1. Mit brutaler Feuerkraft gegen trägen Opportunismus“ (sueddeutsche.de)
    „Darf ein Shooter politisch sein?“ fragt die Süddeutsche Zeitung und vergleicht die Rezeption des Spiels in Amerika und Deutschland. Außerdem geht der Artikel auf den seltsamen Umstand ein, dass die Gegner in Wolfenstein 2 entmenschlicht werden – genau das was die Nazis im Dritten Reich mit ihren Feinen getan haben.
  2. Heil Heiler!“ (taz.de)
    Die taz beschreibt, wie das Spiel sowohl eindeutige Nazi-Symbole, als auch jegliche Hinweise auf den Holocaust aus der deutschen Version gestrichen hat. Der Hintergrund dürfte wohl die „Angst“ vor der Bundesprüfstelle gewesen sein. „Hitler hätte natürlich drinbleiben können“, sagt die im Text. Die taz kritisert den fehlenden Mut des Publishers und lässt auch jüdische Spieleentwickler zu Wort kommen.
  3. Warum Spielehersteller auf Nazi-Symbole verzichten“ (spiegel.de)
    Der Spiegel erklärt die Hintergründe für die fehlenden Nazi-Symbole und die Hinweise auf den deutschen Nationalsozialismus, nämlich Paragraf 86 StGB. Hier kommt ein Medienanwalt zu Wort, der seine Einschätzung abgibt, ob das Spiel in Deutschland mit Hakenkreuzen verboten worden wäre. Es gibt anscheinend keinen bedeutenden Präzedenzfall. „[G]enau das sollte nicht Grund für eine im Fall von „Wolfenstein II“ befremdlich wirkende Selbstzensur sein, sondern Anlass zum Handeln“, findet der Spiegel.
  4. Nazis trinken Erdbeermilch“ (zeit.de)
    Der Text in der Zeit erinnert noch am ehesten an einen Test. Aber auch hier geht es um die Hakenkreuz-Problematik, den deutschen Kunstbegriff und ob Spiele politisch sein können/dürfen/müssen. Hier kommt unter anderem der Deutsche Kulturrat und der Branchenverband BIU zu Wort.
  5. NS-Zeit wird verschwiegen – das schadet dem Spiel und der Gesellschaft“ (spieletipps.de)
    Die Spieletipps sprechen mit der USK. Die stellt einige Vermutungen an. Es ist ja tatsächlich seltsam, dass nicht nur Hakenkreuze entfernt wurden, sondern im Prinzip jeder eindeutige Hinweise auf die NS-Zeit. Angefangen bei Hilters Bärtchen bis hin zur Shoa. Die USK vermutet etwa, es kann auch mit der Spieleplattform Steam zusammenhängen. Hätten die sich entschieden, das Spiel nicht zu listen, wäre das ein wirtschaftlicher Totalschaden. Die Spieletipps lassen außerdem auch jüdische Spiele-Designer zu Wort kommen und schließen mit einem Statement der Wolfenstein-Entwickler, das einen etwas ratlos zurücklässt.
  6. Wie das Spiel Wolfenstein 2 die deutsche Geschichte entsorgt“ (br.de)
    Beim Bayerischen Rundfunk wurde zum Thema ein Kommentar veröffentlicht: „Ausgerechnet in der deutschen Version entsorgt Wolfenstein 2 die Verbrechen der Nationalsozialisten aufs Akkurateste und marginalisiert alles Jüdische.“ Damit sei das Spiel ein „Fest für Revisionisten“. Der Kommentar greift das oben genannte Statement auf und findet es ziemlich seltsam. „[E]in antifaschistisches Spiel, das hierzulande aber nicht richtig antifaschistisch sein darf.“

Thema des Monats // Leben und Wohnen

Screenshot von studienwahl.deStudieren – wir wissen es alle – kostet Geld. Dabei das Studieren an sich ist noch der geringste Faktor, den Studierende beachten müssen. Das meiste geht laut 21. Sozialerhebung des Deutschen Studenwerks für die Miete drauf. Dann kommen noch Ernährung, Mobilität, Kommunikation und all solche Sachen. Eine Menge Holz, isngesamt über 800 Euro, die Studierende im Monat verpulvern. Klar, überall kann man sparen: Wer in eine WG oder ein Studentenwohnheim zieht lebt am günstigsten, Mensaessen ist auch hilfreich und so weiter. Viele hilfreiche Tipps dazu und jede Menge Hintergrundinfos, zum Beispiel zum barrierefreien Wohnen, gibt es im aktuellen Thema des Monats bei studienwahl.de. Die Texte sind wie immer von mir geplant, gebrieft, redigiert und online gestellt. Hier gehts zum Text.

Thema des Monats // Fremdsprachen

Screenshot vom Thema des Monats auf studienwahl.de.Achtung Binsenweisheit! Fremdsprachen sind wichtig, vor allem in Zeiten der Globalisie… schnarch. Jaja, schon klar, es weiß eigentlich jeder: English ist very important, and if you speak french or weiß the Kuckuck what, you have a Stein im Brett aller Personalchefs. Es gibt aber halt auch Jobs, wo Fremdsprachen nicht nur sehr wichtig, sondern essentiell sind. Also wenn man zum Beispiel Dolmetscherin wird, ist es mehr als hilfreich, die Sprache auch zu verstehen und zu sprechen. Oder nehmen wir an, man hat Kontakt mit Geschäftspartnern in Japan. Klar können die Englisch, aber die freuen sich bestimmt tierisch, wenn man in ihrer Landessprache kommunizieren kann. Und noch mehr, wenn man deren kulturelle Eigenheiten versteht. Um solche Themen und die passenden Studiengänge und Ausbildungswege geht es im aktuellen Thema des Monats bei studienwahl.de: Was kann ich studieren bzw. welche Ausbildung kann ich belegen, wenn ich viel mit Fremdsprachen zu tun haben möchte. Die Texte sind wie immer von mir geplant, gebrieft, redigiert und online gestellt. Hier gehts zum Text.

Lesetipp // Grenzgamer

Das Unternehmen Ströer Media Brands hat zusammen mit der Deutschen Journalistenschule ein hübsches kleines Projekt auf die Beine gestellt: Grenzgamer – Was uns spielen bedeutet. Eine tolle Auswahl an Reportagen und Artikel zum Thema Spielen an den Grenzen des Lebens, die auf den Seiten von Giga, Golem, Süddeutsche oder der Zeit erschienen sind. Es geht um spielende Flüchtlinge, christliche Gamer, körperbehinderte Zocker, spielen im Gefängnis oder Depression in Spielen. Richtig tolle Beiträge, die unser Hobby aus ganz unterschiedlichen Blickwinkeln betrachten. Macht Spaß zu stöbern. Also unbedingt mal reinlesen.

abi.de // Animation Smart Home

Screenshot abi.deLetzten Monat war ich für zwei Wochen in Berlin. Sozusagen betriebsinternes Praktikum in unserem Berliner Büro. Da sitzen nämlich auch unsere Programmierer. Und bei denen habe ich ein bisschen Java Script, HTML und CSS gelernt. Herausgekommen ist dabei eine ganz nette Animation für abi.de zum Thema „Smart Home“. abi>> ist ein Portal, das wir im Auftrag der Bundesagentur für Arbeit betreuen. Zur Animation gehts hier entlang (Aber Obacht, bitte nicht am Handy anschauen). Das schicke Haus kommt aus unserer Grafik, den Rest hab ich gebastelt. Hübsch, wa?

Thema des Monats // Schnittstellenstudiengänge

Screenshot von studienwahl.deAuf studienwahl.de ist wieder ein neues Thema des Monats erschienen. Schwerpunkt liegt diesmal auf Schnittstellenstudiengängen, also Studienangeboten, die mehrere Fachrichtungen vereinen. Wirtschaftsingenieurwesen wäre ein recht prominentes Beispiel. Gibt natürlich auch Abgefahreneres, etwa Interfacedesign, Pharmalogistik oder Digitale Geisteswissenschaften. Die Studierenden beschäftigen sich also nicht nur mit einem Fach oder einem Feld, sondern schauen sich  Probleme aus unterschiedlichen Winkeln und Richtungen an. Diese Interdisziplinarität scheint auf dem Arbeitsmarkt durchaus gefragt zu sein. Jedenfalls: Es gibt wie immer einen ausführlichen Hintergrundtext, mehrere Reportagen und eine kleine Übersicht. Die Beiträge sind wie immer von mir geplant, gebrieft, redigiert und online gestellt. Hier gehts zum Text.

Ethik und Moral in Computerspielen // Mass Effect-Trilogie

Screenshot aus Mass Effect2

Mass Effect 2 (BioWare, 2010)

In einer der letzten Missionen von Mass Effect 3 sagt Commander Shepard (die/der Protagonist/-in) diesen einen Satz, der vermutlich so für das Moral und Ethik Verständnis der ganzen Spiele-Trilogie stehen kann: „Hier ist kein Platz für Grautöne!“ Richtig, denn in Mass Effect gibt es bis auf eine handvoll Außnahmen nur schwarz oder weiß – besser gesagt: rot oder blau.

Die Mass Effect-Trilogie ist eine Mischung aus Rollenspiel und Shooter in der 3rd-Person-Perspektive. Die Sci-Fi-Geschichte, die vielen spannenden Begleiter, die typische Charakterentwicklung und die große Spielwelt zählen zu den Pluspunkten der drei Spiele. Ich selber liebe die Trilogie und habe die einzelnen Teile schon jeweils mindestens zweimal durchgespielt. Ich mag sogar (und das flüstere ich jetzt) das Ende von Teil drei. Huch! Hat jemand was gesagt?

Jedenfalls: Blau und rot steht für das spielinterne Moralsystem, für Paragon und Renegade. Blau ist gut und friedlich, rot ist böse und gewalttätig. Der Spieler erhält durch seine Taten entweder blaue oder rote Punkte, baut sich so sozusagen seinen Ruf auf. Bei genug Punkten schaltet er so neue Gesprächsotpionen frei, die ihm in den meisten Situationen Vorteile verschaffen. Es macht also Sinn, die blauen oder roten Punkte zu sammeln. Noch mehr Sinn macht es, sich ganz auf blau oder rot zu konzentrieren, denn je höher der jeweilige Punktestand, desto mehr Antwortmöglichkeiten werden freigeschaltet. In Dialogen gibt es außerdem hin und wieder die Möglichkeit „spontan“ zu reagieren. Mit einem schnellen Rechts- oder Links-Klick führt Shepard eine friedvolle oder gewaltätige Handlung aus, für die der Spieler dann entsprechende Punkte erhält. Das Paragon- und Renegade-System teilt das Spiel also moralisch in zwei Hälften auf.

Das passt, denn auch bei den Spielfiguren kennt Mass Effect nur gut oder böse. Alle Spielfiguren sind eindeutig zugeteilt. Es gibt eine Spielregel, die besagt, dass nur böse Spielfiguren angegriffen und verletzt werden dürfen. Gute werden einfach nicht getroffen. Mass Effect hat also ein sehr stringentes und nachvollziehbares Wertesystem, dass schon in den Spielregeln an sich festgelegt ist. Solche Spielregeln bestimmen darüber, wie sich der Spieler im Spiel zu verhalten hat – und erleichtern es ihm auch, nach den Werten des Spiels zu spielen. Miguel Sicart schreibt dazu: „The design of rules […] can create values we have to play by.

Aber der Spieler hat eben auch die Freiheit innerhalb dieses regelbasierten Wertesystems zu agieren und seine eigenen Interpretationen zu machen. Eine der großen Besonderheiten an der Mass Effect-Reihe ist deshalb auch, wie mit Entscheidungen umgegangen wird. Die meisten haben eine spürbare Auswirkung auf das Spielgeschehen, etwa das Ende, mögliche Begleiter, Dialogoptionen, Verbesserungen usw. Das zieht sich sogar vom ersten Teil bis zum letzten durch. Lässt man zum Beispiel in Mass Effect 1 die Rachni-Königin (eine Insektenartige Alienrasse, die schon einmal die Galaxie tyrannisiert hat) am Leben, hilft sie dem Spieler im dritten Teil. Das zeigt, dem Spieler, dass seine (moralischen) Entscheidungen tatsächlich eine Bedeutung haben und seine Spielwelt beeinflussen. Er kann der Spielwelt (bis zu einem gewissen Grad) seinen moralischen Stempel aufdrücken.

Einige der Entscheidungen sind tatsächlich schwere Brocken und lassen Spieler auch mal Grübelnd vor dem PC sitzen. In Mass Effect 1 gilt es einen liebgewonnenen Begleiter zu opfern, im zweiten Teil könnten wir Forschungsdaten retten, deren grauenhafte Experimente vielen Aliens das Leben gekostet hat, im dritten Teil können wir damit allerdings eine kriegerische Alienrasse von einer hinterhältigen Krankheit heilen. Shepard kann Gefangene töten oder einsperren lassen, mehr oder weniger lasch mit dem Gesetz umgehen, Gewalt androhen oder auf die Ehre setzen. Mass Effect spricht immer wieder ethisch interessante Themen an, stellt den Spieler vor die Wahl und zeigt ihm auch die Konsequenzen.

Das klingt gut, ist es auch. Wäre aber noch spannender, wenn das Paragon-Renegade-System nicht wäre. Durch die komplette Färbung des Spiels in rot und blau, geht viel vom Potential flöten. Mass Effect könnte noch viel deutlicher in seiner Darstellung von Ethik und Moral sein, wenn es sein vordefiniertes Farbsystem über Bord geworfen hätte. In vielen Dialogen muss der Spieler nicht groß darüber nachdenken, wie er reagieren möchte, was seine Handlungen bewirken werden. Er sieht: „Oh, eine blaue Antwortmöglichkeit, da bekomme ich Punkte und ein gutes Ergebnis.“ Das Spiel nimmt dem Spieler somit oft die Entscheidung schon ab, bevor er sich genauer mit der Thematik befassen muss.

Liest man sich ein paar Forenbeiträge zu Mass Effect, wird deutlich: Haben sich die Spieler nicht auf blau oder rot spezialisiert, kommen sie viel mehr ins Grübeln und damit ins Reflektieren, weil das Spiel ihnen nicht die Entscheidung abnimmt. Vor ein paar Wochen wurde bekannt, dass Entwickler BioWare beim vierten Teil, der im März erscheint, auf das Moral-System verzichtet. Ich bin gespannt, ob dieser Neuanfang dann auch ein moralisch noch spannenderes Spiel hervorbringt.

In meiner Masterarbeit habe ich mich mit der Darstellung von Ethik und Moral in Computerspielen beschäftigt. Nicht jedes Computerspiel ist in der Lage, den Spieler zu einer ethischen Reflexion seines Handelns zu bringen. Einige schon. In dieser Reihe beschreibe und untersuche ich Spiele, die versuchen, Ethik und Moral ins Spiel integrieren.